b. g., Ettlingen

Die Pilzsammler im Rheinland bei Knielingen oder im Hochmoor bei Kaltenbronn befürchteten in der ersten Oktoberwoche schon eine Konkurrenz, als sie die Männer und Frauen sahen, die sich so stark für die "Ernte des Waldes" interessierten. Aber die Ausbeute dieser Gruppe wanderte nicht in die Karlsruher Markthalle, sondern in den Ettlinger Rathaussaal. Dort tagte vom 7. bis 10. Oktober die Deutsche Gesellschaft für Pilzkunde. Täglich ging es "auf Jagd" und am Nachmittag stand "Fundbearbeitung" auf dem Programm.

Die Kenntnisse des Laien über das Reich der Pilze gehen meist über Champignon und Pfifferling nicht weit hinaus. Die Pilzforscher sind keine "wissenschaftlichen Sektierer". Es sind Naturfreunde, die ihre Kenntnisse "in das Volk hineintragen" wollen. Nur gründliches Wissen könne helfen, die "kostbare Ernte gefahrlos zu bergen" Diese Liebhaberei habe aber auch eine zweite, sehr wichtige Seite. "Der Pilz kommt nicht zum Menschen, der Mensch muß zum Pilz kommen", hieß es in Ettlingen. So bringe die Beschäftigung mit der Pilzkunde auch "Entspannung im deutschen Märchenwald" und die Mykologie leiste damit gleichzeitig einen "Dienst an der menschlichen Seele".

Die diesjährige Tagung der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde hatte auch zahlreiche ausländische Freunde nach Ettlingen geführt. Gemeinsam mit den deutschen Gastgebern streiften Mykologen aus Frankreich, Belgien, Österreich und der Schwere über die Lichtungen am Fuße des Schwarzwaldes. Ein Lektor vom Botanischen Institut Halle konnte es sich nicht verkneifen, auch etwas "politisches Salz" in die Pilzsuppe zu streuen. Über. die gemeinsame Liebe zum Pilz sollte seiner Ansicht nach der Weg direkt zur Wiedervereinigung Deutschlands gehen.