Robin Maugham: Das Bittere und das Süße. Paul Zsolnay Verlag, 231 Seiten. 9,80 DM. übersetzt von Dorothea Gotfurt.

Wenn ich Somerset Maugham wäre, würde ich meinem Neffen oder seinem Verlag verbieten, mit meinem Namen Reklame zu machen. Und wenn ich Robin wäre, würde ich meinen literarischen Erstling unter einem Pseudonym erscheinen lassen. Der berühmte Name fordert zum Vergleich heraus, und dabei schneidet Robin schlecht ab. Das Thema: einem jungen Mann aus der konservativen guten Londoner Gesellschaft wird von einem durchtriebenen niedlichen Straßenmädchen die Komödie der Liebe vorgespielt. Sie gibt ihm den Laufpaß, als sie beim Rennen soviel gewinnt, daß sie ihren eigentlichen Liebhaber aushalten kann. Der junge Mann erkennt, daß er betrogen wurde und kehrt von der Vorstadt zurück in die moralisch umzäumten Parkgehege seiner Gesellschaftsklasse.

Robins Versuch beweist, daß Greene und Hemingway gefährliche Vorbilder sind.

Dorothy Macardle: Dunkler Zauber. Magnus Verlag. 335 Seiten. 12,80 DM. übersetzt von Maria v. Schweinitz.

Ein junges, hübsches, bescheidenes Mädchen mit aller rührenden Unerfahrenheit und Unschuld, die junge Mädchen mit Institutserziehung in englischen Unterhaltungsromanen besitzen, verlebt mit dem charmanten Vater ein paar Tage in einem Bergnest der französischen Riviera und gerät zugleich in die Wirrnisse der ersten Liebe und in die Netze der mittelalterlich-düsteren Zaubermächte einer Zigeunerin, die das ganze Dorf verhext. Geschickt wird die Frage: Gibt es denn Zauberei? offengelassen und nur als Quell immer neuer Spannung und Verwicklung benutzt, die natürlich die Liebenden zueinanderbringen, die Hexe aus dem Wege räumen und das Dorf wieder in seiner idyllischen Fremdenverkehrsschönheit zurücklassen. Gut ist die sehr farbige und plastische Landschaftsschilderung.

Dilys Laing: Das große Jahr. Albert Langen / Georg Müller Verlag. 284 Seiten. 12,80 DM. übersetzt von Hans Hennecke.

Das ist ein Beispiel dafür, daß der Verlag durch eine schlechte Übersetzung den Erfolg eines Buches fraglich machen kann. Wenn ein Übersetzer "drugstore" mit Drogerie gleichsetzt, wenn er von "ingwerfarbenem Haar" spricht (ginger = Ingwer, aber: gingerlead = Rotkopf), wenn er als Verneinung von "jemals" "sie jemals" stehen läßt, wenn er ein Streichholz "ausschüttelt", dann kann man unterstellen, daß der unmelodische und hölzerne Stil dieser "Legende" einer Bauernfamilie aus Vermont auf seine Kosten geht. Das ist schade, denn der Stoff ist vorzüglich: der Kampf von drei zähen ärmlichen Farmergeneratioaen, dem Lande, der harten, elenden Arbeit zu entkommen. Es scheint zu gelingen. Die Enkel besuchen das College, leben in der Stadt, arbeiten in Laboratorien an Versuchen zur Mechanisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft. Doch ein Angriff einer ungenannten Macht zerstört die Städte – der Enkel kehrt krank und verzweifelt zurück in die Armut des Ursprungs. Die einzelnen Kapitel sind nicht chronologisch geordnet. So ist das eigentliche Schlußkapitel eingefügt in Szenen der Vergangenheit. Auf diese Weise bietet sich die Erde dem Hoffnungslosen als Trost und mögliche Zukunft und legitimiert sich durch das Beispiel der Ahnen, deren Leben durch sie erfüllt war. Ob dieser Trost angenommen werden kann, bleibt offen.