s. Soltau

Neben 59 500 ha Übungsplätzen rund um den Ort Munsterlager, von denen 11 000 militärisch völlig ungenutzt liegen, gibt es 48 500 ha land- und forstwirtschaftliche Kulturen, auf denen seit Jahren durch britische Panzer erhebliche Flurschaden verursacht werden. Alle Vorstellungen der Landvolkverbände, die Panzerübungen von den privaten Kulturen auf den ungenutzten Truppenübungsplatz Munster-Nord zu verlegen, scheiterten bisher an der Behauptung, der Platz sei wegen Verseuchung durch giftige Kampfstoffe unbenutzbar.

Dagegen teilte am 21. Mai 1954 die Pressestelle der niedersächsischen Landesregierung mit "Ein Räumkommando, bestehend aus 40 Mann, hat nach zweijähriger Arbeit schon im Herbst 1953 seine Arbeit abgeschlossen." Diese Entseuchung wurde von der Bundesregierung bestätigt und der Kreis Soltau beauftragte das zuständige Forstamt Raubkammer, die Schilder, mit denen auf giftgasverseuchte Stellen hingewiesen wurde, zu entfernen. Britische. Dienststellen aber waren anderer Meinung und forderten ein neues genaues Gutachten. Dies Gutachten soll im November 1954 vorgelegt werden.

Das Amt Blank teilte am 6. Juli mit: "Schon jetzt läßt sich auf Grund der bisher angestellten Ermittlungen sagen, daß gewisse Teile des Platzes weder für britische noch später für deutsche Truppen freigegeben werden können. An diesen Stellen besteht auch heute noch Gefahr durch im Boden enthaltene Kampfstoffe."

Anfang Oktober bereisten in aller Stille die Bundestagsabgeordneten Brese, Dansmann, Müller und Dr. Siemer, die dem Ernährungsausschuß angehören den Truppenübungsplatz und erklärten anschließend vor dem Regierungspräsidenten in Lüneburg, sie hätten ein "gepflegtes Forst- und Wildparadies" vorgefunden.

Außer einigen Schildern, mit der Aufschrift "Sprengstoff! Lebensgefahr! Betreten verboten!" gibt es auf dem Platz nichts Gefährliches, sondern überall, auch an den angeblich verseuchten Stellen, vorbildliche Forsten, Kulturen und gepflegte Wildfutterplätze, sowie einen ständig erneuerten Maschenzaun um den ganzen Komplex. Auch auf den gefährlichsten Stellen werden Schafe geweidet, und gelegentlich gehen prominente Besucher – vornehmlich der Besatzungsmacht – in Münster-Nord der Jagd nach.