Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? – Das scheint nachgerade das Motto für die Regelung der Ladenschlußzeiten seitens der zuständigen Instanzen zu werden. Was die strittige Frage angeht, welcher halbe Arbeitstag für den Einzelhandel "frei" sein soll, so liegen jetzt bereits vier Vorschläge vor. Das Bundeskabinett will im Sinne des Arbeitsministers, den "Beamtenfeiertag" – also den freien Mittwochnachmittag – auch für die Ladengeschäfte gelten lassen (obwohl man im Saargebiet mit dieser dort dekretierten Lösung nur Unzufriedenheit geschaffen hat). Der Bundesrat (oder vielmehr sein Wirtschaftsausschuß) empfiehlt den freien Samstagnachmittag (ab 14 Uhr) und will außerdem am ersten Montag jeden Monats vormittags die Läden geschlossen halten. Minister Erhard propagiert das "rollie-

rende System", bei dem das Verkaufspersonal abwechselnd einen halben Tag "frei" haben soll, so daß der Käufer von Montagfrüh bis Samstagabend alle Läden offen vorfindet; das ist aber in den Familienbetrieben des Einzelhandels nicht (oder eben doch nur unter einem Verzicht auf Freizeit) zu verwirklichen. Diese Lösung wäre also "mittelstandsfeindlich", da sie den mit mehreren Angestellten arbeitenden "größeren" Betrieb einseitig begünstigt – und das muß ja wohl nicht sein.!

Warum aber wird eigentlich nicht nach den Vorschlägen der zuständigen Berufsvertretung vorfahren? Der Handel wünscht das "erweiterte" Wochenende" mit einem "halben freien Tag", der entweder der Samstagnachmittag oder der Montagvormittag sein soll, je nach der Wahl des Ladeninhabers (und nach den Wünschen seines Personals). In der Praxis wird das so aussehen, daß der Kunde am Samstagnachmittag und am Montagvormittag etwa je die Hälfte aller Läden geöffnet vorfinden wird; das mag ihm genügen. Und der Einzelhandel hat die Freiheit der Entscheidung, wie er. verfahren will – was nicht nur psychologisch wichtig ist: ein wenig Freiheit, in dieser Zeit der allumfassenden Reglementierung, ist ja ein wahres Labsal für alle Beteiligten! Also darf man hoffen, daß die Vorschläge des Handels, weil sie vernünftig sind, praktisch und einfach und dazu freiheitlich, demnächst die Zustimmung des Bundestags finden. G. K.