Dem Wochenbericht Aber die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Während der Berichtswoche haben verschiedene politische Ereignisse, wie der positive Abschluß der Londoner Konferenz, die Hafenarbeiterstreiks in London und New York, gewissen Einfluß auf die Weltmarktpreisbildung genommen. Diese Einwirkungen waren jedoch nicht so stark, um den Märkten in ihrer Gesamtheit einen festen Grundton zu verleihen; denn neben Preissteigerungen, die die überwiegende Anzahl der hier notierten Waren erfaßten, fanden demgegenüber bei einigen z. T. beachtliche rückläufige Bewegungen statt. Die Festigungstendenz machte sich vor allem auf den NE-Metallmärkten bemerkbar, die noch durch Streiks verstärkt wurde. Die rückläufige Preisentwicklung ist ökonomischen Ursachen zuzuschreiben, und zwar war das Angebot so groß, daß es nur zu niedrigeren Preisen untergebracht werden konnte. Besonders klar trat dieser Tatbestand bei Baumwolle, Kaffee, Kakao und Schmalz zutage. Einen Überblick über die Preisentwicklung In der Woche vom 4. bis 8. Oktober vermittelt nachstehende Tabelle: Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei 12 die Tendenz leicht bis sehr stark steigend und bei 9 leicht bis stark schwächer. Die Preise von 2 der notierten Waren, nämlich Aluminium und Zink, waren konstant.

Getreide: Obwohl auf den internationalen Getreidemärkten während der Berichtswoche keine besonderen Belebungstendenzen erkennbar waren, zogen die Preise der meisten hier notierten Getreidearten, abgesehen von Roggen, an. Die Abwärtsbewegung der Roggennotierung wurde nicht zuletzt durch die Nachricht ausgelöst, daß die Bundesrepublik den beabsichtigten Kauf von 3,730 Mill. bu nordamerikanischen Roggen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben habe. Die hiervon ausgehende Schwächeneigung wirkte sich in gewissem Rahmen, auch hemmend auf eine stärkere Preisfestigung bei den übrigen Getreidearten aus. Daneben wirkten durch Deckungskäufe ausgelöste Sicherungsabgaben einer weiteren Preisfestigung entgegen. Der Liverpooler Weizenterminmarkt stand weitgehend unter dem Einfluß der nordamerikanischen Märkte. Eine gewisse Zurückhaltung der Verkäuferseite gab diesem Markt eine Stütze. – Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) veröffentlichte kürzlich einen von der Internationalen Vereinigung landwirtschaftlicher Erzeuger (IPAP) herausgegebenen Bericht über die Weltgetreideversorgung 1954/55. Nach diesem Bericht wird der Weizenüberhang bis Mitte 1955 weiterhin eine steigende Tendenz aufweisen, die jedoch nicht mehr so stark sein wird wie in den vorhergehenden beiden Jahren. Es wird die Meinung vertreten, daß der Preisdruck weiter anhält, die Exportländer ihre Preise senken und zu besonderen Absatzmethoden schreiten werden. Zur Futtergetreideversorgung sagt der Bericht, daß sie 1954/55, falls die Ernte günstig ausfällt, ausreichend sein wird.

Kupfer: Der New Yorker und der Londoner Kupfermarkt zeigten während der Berichtswoche wiederum eine feste Tendenz, wenn auch in London Mitte der Woche infolge lustloser Umsatztätigkeit zeitweilig ein Preisrückgang um etwa 6 1/2 £/Stlg. je lgt stattfand. Dieser Preisrückgang löste in Handelskreisen keine Überraschung aus, weil er als Reaktion gegenüber der vorangegangenen scharfen Aufwärtsbewegung betrachtet wird. Auch dürfte die Nachricht über die eingeleiteten Verhandlungen einer Streikbeilegung, die allerdings inzwischen zusammengebrochen sind, auf die Preisentwicklung Einfluß genommen haben. Der Ende der Berichtswoche vorübergehend zu beobachtende Verkaufsdruck läßt darauf schließen, daß wesentliche Preissteigerungen nicht mehr zu erwarten sind. – Die Breden Copper Company hat sich entschlossen, von der Sechtage- zur Siebentagewoche zurückzukehren, um über eine Produktionssteigerung eine Angebotsausweitung zu erreichen.

Zinn: In New York und London zeigte die Preisentwicklung während der Berichtswoche eine feste Tendenz. Preisstützend auf diesen Märkten wirkte neben der festen Verfassung des Singapurer Marktes die US-amerikanische Verbrauchernahfrage. Ein zeitweilig zufriedenstellendes Angebot der Zinnschmelzen wie auch höhere malaiische Zinnverschiffungen im September als im Vormonat dürften einer stärkeren Preissteigerung entgegengewirkt haben.

Schweißwolle: Auf den Erzeugermärkten herrschte wiederum lebhafte Nachfrage, und das Angebot wurde im allgemeinen bei sehr regem Wettbewerb glatt aufgenommen. Der Londoner Terminmarkt zeigte gelegentlich eine Schwächeneigung, die jedoch von größeren Deckungskäufen abgelöst wurde und die zur Erholung führten. Besonderes Kaufinteresse bestand für die Termine März, Mai und Juli nächsten Jahres.

Kautschuk: Die anhaltend lebhafte Umsatztätigkeit sowohl in Singapur als auch in New York führte zu einer Fortsetzung der seit einigen Wochen bestehenden Preisfestigungstendenz. In London wurde diese Entwicklung durch den Hafeiarbeiterstreik unterstützt. Am 5. Oktober erreichten die Singapurer Kautschuknotierungen ihren höchsten Stand seit Mit 1953. In London wurde am 7. Oktober der höchste Preis seit März 1953 erzielt. In Singapur machte sich eine lebhafte, zum Teil spekulative Nachfrage des Handels bemerkbar, der eine zurückhaltende Tendenz der Abgeber gegenüberstand. In New York kam es zu mehreren Tauschoperationen von Terminware gegen greifbare Ware.