x, y., Leipzig

Es ist keine Freude mehr, in der Ostzone Lehrer zu sein", berichtete ein Lehrer von einer Oberschule in Leipzig. "War es bisher schon kein Vergnügen, so wird es jetzt noch schwerer für uns, nach der letzten Verordnung des Ministerrates über das Schulwesen. Ich bin froh, daß mein eigenes Hauptfach die Mathematik ist, die man nicht gut politisieren kann. Denn zwei mal zwei bleibt eben auch in Pankow vier."

Dann erzählte der Lehrer von den Verhältnissen in seiner Schule, deren Direktor ein ehemaliger Schlossergeselle ist, der auf Grund seiner SED-Mitgliedschaft als 26jähriger auf diesen Posten gelangt ist. Er spricht zwar nicht einwandfrei deutsch, wie er selbst weiß. Doch er betont bei jeder Gelegenheit: "Ob ich mir und mich verwechsle, darauf kommt es nicht an. Aber ideologisch klar bin ich, und darauf kommt es an, auf die Gesinnung!" Genau denselben Standpunkt vertritt jene Verordnung des Pankower Ministerrats "zur Verbesserung der Arbeit der allgemeinbildenden Schulen", deren Durchführungsbestimmungen zur Zeit alle Lehrer der DDR beschäftigen – die falschen wie die echten Pädagogen. Der Lehrer meint, das Zurückbleiben vieler Kinder liege daran, daß für den Besuch der Oberschule nicht mehr die entsprechend; Eignung vorausgesetzt wird, sondern allein die soziale Herkunft aus dem Stande der Arbeiter oder Bauern entscheidend ist. Man zwinge manche Kinder sogar dazu, nach erwiesenem Mißerfolg gegen ihren Willen auf der höheren Schule zu bleiben.