In der Camargue zwischen Reis und Schilf und Heide – Bildnis einer unberührten Landschaft

Von Monika v. Zitzewitz

Auf den tiefgelegenen Feldern zu beiden Seiten der Straße wächst ein Grün, das uns überrascht: kniehohe gelblich-grüne Halme. Roggen? Sumpfgras? Es ist Reis. "Vor ein paar Jahren hat man hier, in der Camargue, die ersten Anbauversuche gemacht", erzählte uns ein Bauer. "Jetzt besäen Flugzeuge jedes Jahr Hunderte von Hektar. Es ist der erste erfolgreiche Versuch, in unserm Sumpfland etwas Nutzbares anzubauen. Und die Regierung erwartet, daß wir uns freuen ..."

"Und freuen Sie sich nicht?"

Wir sahen ungläubig sein Kopfschütteln, denn das wär’ doch wohl der erste Landwirt, dem nichts daran läge, bessere und mehr Ernten zu haben!

"Was nützt es", sagte er, "reicher zu werden, wenn dafür unsere Camargue stirbt? Noch liegen neuen Reisfelder an ihrem Rand. Aber wenn der Versuch weiterhin so erfolgreich ist, werden wir bald keine Herden mehr haben. Unser Land wird sein wie jedes andere: ein Land mit guten und schlechten Ernten. Und unsere Enkel werden war noch aus Erzählungen wissen, daß auf ihren Wem einmal Schilfwälder standen, in denen die wilden Stiere und Pferde lebten."

Was der Bauer sagte, war ein vorweggenommenes Heimweh nach einer Lebensform, wie sie heute nur noch in diesem Teil der Provence – es ist das Rhone-Delta zwischen Arles im Osten und Aigues Mortes im Westen – und vielleicht sonst nirgends mehr in Europa existiert. "Fahren Sie diese Straße weiter", sagte der Bauer. "Vielleicht werden Sie mich dann verstehen."