Prof. Dr. Werner Nestel, der Technische Direktor des NWDR, ist mit dem Großen Verdienstkreuz ausgezeichnet worden. Diese Ehrung trifft einen Mann, der die größten Erfolge beim Wiederaufbau der deutschen Funktechnik in der Nachkriegszeit für sich buchen darf. – Er wurde 1904 in Stuttgart geboren, studierte an der dortigen TH und in Berlin. Von 1930 bis 1937 war er bei der damaligen Reichsrundfunkgesellschaft tätig, dann kehrte er dem staatlichen Apparat den Rücken und trat in den Dienst der Privatindustrie („Telefunken“). Daß heute unser Fernsehen technisch nicht mehr hinter der amerikanischen Television zurücksteht, ist vor allem Dr. Nestel zuzuschreiben, der als der führende deutsche Rundfunktechniker mittlerweile Weltgeltung genießt. Seit 1947 liegen die technischen Belange des NWDR in den Händen Nesteis, der außerdem als Honorarprofessor an der Technischen Hochschule Hannover lehrt.

Für die Funkhörer ist vor allem Dr. Nesteis Bemühung um den Aufbau der Sender der Ultrakurzwelle bedeutsam. Hier muß freilich gesagt werden, daß Nestel bei seinem Kampf für die Ultrakurzwelle einen leidenschaftlichen Helfer hatte: Eduard Rhein, der in „Hör zu“ verkündete: „Es kommt der neue Funk – ultrakurz.“

Wir erinnern uns jener Flut von Gegenveröffentlichungen, in denen die neue Welle, die Nestel durchsetzen wollte, als unbrauchbar, ja zum Schluß sogar ihr Verteidiger Rhein für bestochen erklärt wurde. Wir erinnern uns noch jener Plakate mit dem Satz: „Macht nicht aus einer frequenzmodulierten Mücke einen ultrakurzen Elefanten.“ – Aber dann kam endlich der große Tag für Nestel: Der NWDR eröffnete feierlich seine erste UKW-Sendung. Und es fiel auf, daß man in die Eröffnungsrede sogar den Slogan von der „Welle der Freude“ übernahm, den Eduard Rhein geprägt hatte.

Wenn man von der sehr verdienten Ehrung des einen Mannes spricht, sollte man auch den anderen nicht vergessen, von dem nie einer ein Wort sprach.

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Donnerstag, 14. Oktober, 20.30 vom NWDR:

Die deutschen Bühnen machen von dem gewaltigen Potential der Werke Georg Kaisers nur zögernd Gebrauch. Der Funk zeigt sich aufgeschlossener. Nun wird auch das großartige Schauspiel „Mississippi“ von 1930, von Ludwig Cremer inszeniert, zu hören sein, in dem der Führer einer puritanischen Sekte die Überschwemmung des Stromes auf das „Sündenbabel“ von New Orleans zu lenken versucht.