b. g., Karlsruhe

Der "Dakota-Scout" ist im Zeitungshandel nicht erhältlich. Man fragt vergebens an Kiosken oder in Buchhandlungen nach dieser Zeitschrift, die jeden Monat von Karlsruhe aus bis nach Kanada verschickt wird. Im "Dakota-Scout" aus Karlsruhe blättern Odjibway-Indianer und Oglala-Sioux. Über den großen Teich gehen die Briefe zwischen "Feuerdonner" und dem "Alten Adler", zwischen den nordamerikanischen Indianerreservaten und Karlsruhe.

"Dakota-Scout" ist eine "Fachzeitschrift" für deutsche Indianerfreunde. "Wir wollen keinen Indianerhokuspokus treiben, sondern uns ernsthaft mit dem Studium der Geschichte und des Brauchtums der Roten Rasse befassen", meint der Herausgeber "Wambli wicarca", der "Alte Adler". In Europa wisse man über die Ureinwohner Amerikas in mancher Beziehung besser Bescheid als in den USA. Trotzdem gebe es auch in der deutschen Indianerliteratur noch genügend "historische Schnitzer". Man bemühe sich, das richtig zu stellen. Besonders an den Darstellungen der berühmten Custerschlacht am Little Bighorn River sei manches "schief". Auch Beiträge, von Indianern geschrieben, bringt der "Dakota-Scout".

Der Briefwechsel zwischen den "Tipis" in Karlsruhe und den Oglala-Sioux, den Cree-Indianern, den Odjibways und Comantschen ist gar nicht so einfach. Nur der "Ältestenrat", das "Tribal Council", ist berechtigt, mit dem "Weißen Mann" zu verkehren. Zur Zeit ebnet "Alter Adler" einer Gruppe von Kiowas und Comantschen den Weg für eine Europatournee. Es ist das erstemal wieder seit vielen Jahrzehnten, daß eine Vollblutindianergruppe aus Nordamerika geschlossen ihre alten Tänze In Deutschland zeigen wird. Vordem war als einziger Zirkus Sarasani für Indianerdarbietungen autorisiert. 10 000 Dollar Kaution mußten für jeden Indianer gestellt werden, auf daß er wieder gesund an das heimatliche Feuer zurückkehrte. Die Stammesgruppe der Kiowas und Comantschen, die zum nächsten Frühjahr erwartet wird, ist keine Sensation für Nachtlokale oder Varietés. Die Indianer wollen ihre historischen Tanze vor allem völkerkundlich interessierten Kreisen in Europa zeigen.

Karlsruhe hat alte Indianertradition. Die Südstadt ist Indianerviertel, seit ihre Bewohner 1896 Buffalo Bill mit seinen pfeilschießenden und messerwerfenden Rothäuten begeistert empfingen. Noch heute pflegen die "Dakotas im Rheintal" die Tugenden und Künste des Roten Volkes.