Andenken an zwei große Meteorologen

Von M. Rodewald

Die Meteorologen tagten in Hamburg. Sie gedachten des 100. Geburtstages von Gustav Hellmann, des großen deutschen Meteorologen, der am 3. Juli 1854 in Löwen in Niederschlesien geboren war. Das Schicksal wollte es, daß die Tagung in das Zeichen des Todestages eines anderen Großen im Gebiet der Meteorologie geriet: August Schmauss starb am 10. Oktober 1954 in München.

Ein wesentliches Stück Geschichte und Entwicklung der Meteorologie verkörpert sich in diesen beiden Gelehrten, die beide lange Jahre Vorsitzende der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft waren. Schmauss, am 26. November 1877 in München geboren, also 23 Jahre jünger als Hellmann, schrieb im Nachruf zu dessen Tod (am 21. Februar 1939) den Satz: "Von ihm ging das aus, was man im besten Sinne des Wortes mit der Vorstellung eines preußischen Geheimrats zusammenzufassen pflegt." Man ist geneigt, hinzuzufügen, daß Schmauss selbst den Typus des bayerischen Geheimrats, der er war, im besten Sinne vielleicht erst geprägt hat. Was der Preuße Hellmann in Berlin wurde, das wurde der Bayer Schmauss in München: Ordentlicher Professor für Meteorologie an der Universität, Mitglied dort der Preußischen, hier der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Geheimer Regierungsrat; Direktor dort des Preußischen Meteorologischen. Instituts, hier der Bayerischen Landeswetterwarte.

Klassik und Romantik

Bei dieser äußerlichen Ähnlichkeit der Laufbahnen der beiden Meteorologen bestanden aber Wesens Verschiedenheiten zwischen ihnen, die sich auch in ihrem meteorologischen Lebenswerk ausprägen. In der Würdigung, die Schmauss nach dem Tode Hellmanns schrieb, finden sich die Sätze: "Es gibt wohl nur ein Gebiet der Meteorologie, dem Hellmann nur historisches Interesse entgegenbrachte, das ist die Wettervorhersage. Wir gehen nicht fehl in der Annahme, daß sie ihm wie seinem Vorgänger im Amte (W. von Bezold) zu unexakt erschien und ihm Gedankengänge nahelegte, die man auch aus der Haltung Bismarcks kennt, wonach ein staatliches Unternehmen sich nicht blamieren dürfe. Mit Begeisterung werden sich nur Romantiker der Wettervorhersage annehmen." Da eins der bekanntesten Bücher von Schmauss gerade dem Problem der Wettervorhersage gewidmet ist, deutet er selbst den Schuß "Romantik" an, der ihn von dem Klassiker Hellmann unterscheidet.

Hellmann war der beste Historiker der deutschen und ausländischen meteorologischen Literatur, wobei ihm sein ausgeprägtes Sprachtalent und Gedächtnis ebenso zustatten kam wie seine bibliophile Neigung. Für jeden kulturhistorisch Interessierten sind die von ihm herausgegebenen, mit Einleitung und Kommentar versehenen 15 Bände "Neudrucke von Schriften und Karten über Meteorologie und Erdmagnetismus" von hohem Reiz. Hier findet man, allermeist in Faksimile-Druck, was die großen Geister der abendländischen Geschichte in bezug auf Meteorologie gedacht, beobachtet, erfunden haben. Man findet da die Wetterbeobachtungen von Kepler und Tycho Brahe ebenso wie die von der Fahrt des Christoph Columbus 1492/93 und das Logbuch von Francis Drake von 1596. Albertus Magnus und Bacon sind ebenso vertreten wie Descartes und Newton, Pascal, Halley, Torricelli, Alexander von Humboldt – um nur einige berühmte Namen herauszugreifen. Aber auch die alten Bauernkalender und "Bauern-Praktiken" und L. Reynmans volkstümliches Wetterbüchlein (1510) – "von warer erkanntnuss des wetters" –, das die Runde durch ganz Europa machte, sind von ihm nicht vergessen.