Johannesburg, im Oktober

Überraschend – selbst für einige seiner Ministerkollegen – hat der achtzigjährige Daniel François Malan, Dr. der Theologie, am 11. Oktober in einer Kabinettssitzung bekanntgegeben, daß er am 30. November seine Ämter als Ministerpräsident der Südafrikanischen Union und als Führer der Nationalpartei niederlegen und sich ins Privatleben zurückziehen werde.

Seit seinem Eintritt in das politische Leben im Jahre 1914 hat Malan mit unermüdlichem Fleiß und der ihm eigenen Humorlosigkeit, völlig unbeeinflußt von der Kritik seiner Zeitgenossen in aller Welt, die schweren innerpolitischen Probleme seines Landes zu meistern gesucht. Der calvinistische Ernst seines Ausdrucks wird allen in Erinnerung bleiben, die ihn gesehen und gehört haben. Vor dem Kongreß der Nationalpartei sagte er vor kurzem, ohne eine Miene zu verziehen: "Ein ausländischer Korrespondent, der mich neulich besuchte, hat seiner Zeitung geschrieben, ich sei ein Mann, der niemals lächelt. Fast hätte ich über den Bericht lächeln müssen."

Als wahrscheinlichen Nachfolger nennt man Havenga, der mit 23 Amtsjahren als Finanzminister einen Rekord unter seinen Kollegen in sämtlichen Regierungen der Welt hält. Aber der wirkliche starke Mann im Kabinett ist Strijdom, der Minister of Lands der anscheinend im jetzigen Zeitpunkt die Ministerpräsidentschaft noch nicht übernehmen will, von dem Südafrika aber in Zukunft noch viel hören wird. Die Prozedur als solche wird sich so abspielen, daß der Exekutivausschuß der Nationalpartei vor Ende November einen neuen Parteiführer wählen muß, der dann nach Malans Abgang vom Generalgouverneur als Vertreter der Königin mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt wird. Wer auch immer die Ministerpräsidentschaft der Südafrikanischen Union übernimmt, wird seine Hauptaufgabe darin sehen, der Welt die Zwangsläufigkeit der südafrikanischen Politik in der Frage der Rassentrennung verständlicher zu machen, als es dem scheidenden Ministerpräsidenten gelungen ist. C. Dohlen