Mit dem, was im Vordergrund der Hollywood-Filme passiert, ist selten viel los. Die Damen und Herren, die da ihre Liebes-oder Mordgeschichten abzuwickeln haben, sind in der Regel weder durch den Text noch durch die Schauspielkunst interessant genug, um uns innerlich zu beschäftigen. Aber oft (wenn auch keineswegs immer) sind die Hintergründe interessant, vor denen sich die persönliche Handlung zuträgt. Alltagstypen in ihrem Milieu gelingen amerikanischen Textschreibern und ihren Regisseuren häufiger als Individuen in ihrer Besonderheit.

Da war neulich ein neuer Film von Hitchcock. Er hieß "Das Fenster nach hinten raus". Da sitzt ein kranker junger Mann im Rollstuhl am Fenster und guckt den ganzen Tag und meist auch die ganze Nacht hinaus. Dabei entdeckt er einen Mord und wird selbst gefährlich in die Affäre verwickelt. Das ist nicht sehr wichtig und auch nicht sehr interessant. Aber interessant ist an diesem Film eben der Hintergrund, das heißt, das Leben von tausend Alltäglichkeiten, das der junge Mann durch die Fenster, die offenen Türen, auf dem Hof und auf den Feuertreppen sich abrollen sieht. Das ist ein Stück wirklich lebendiges Amerika und lohnt das Anschauen.

Ein anderer Film, den Joseph Mankiewicz mit vielem Aufwand gedreht hat, heißt "Die Barfußgräfin". Das scheint ein spanischer Ausdruck für unser Aschenbrödel zu sein. Es ist die absolut nicht neue Geschichte von einem armen Mädchen, das in einem Nachtlokal tanzt, dann Filmstar wird und schließlich einen Grafen heiratet. Daß das Märchen nicht gut ausgeht, weil der Graf der Letzte eines sehr dekadenten Geschlechts ist und überdies schwer kriegsverletzt – das soll offenbar die originelle Nuance sein, auf die sich Mankiewicz etwas zugute tut. Aber trotzdem läßt uns diese Vordergrundsgeschichte (zumal Aschenbrödel von der etwas bleiernen Schönheit der Ava Gardner dargestellt wird) kühl bis ans Herz hinan. Aber interessant ist wiederum der Hintergrund: Hollywood mit seinem tumultuösen Geschäftsbetrieb und die Riviera mit ihrem öden Luxuspublikum, sie werden sehr lebendig. Sogar der Dialog ist hier manchmal von ironischer Prägnanz, und gute Schauspieler für kleine Charakterchargen, wie man sie hier braucht, kann Hollywood in beliebiger Menge aufbringen.

Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, daß sich diese Produktion einmal aufschwingen wird, auch vom wesentlichen Menschen etwas zu sagen – aber einstweilen wollen wir uns an der Lebensechtheit dieser Hintergrundsszenen schadlos halten.

Julius Bab