s. l., Berlin, im Oktober

Der H-Linie des Herrn Dior versagen zwar die Modisten östlich des Brandenburger Tors entschieden die Gefolgschaft. Die V-Form aber, in der sich die Damen der westlichen Welt die Locken seit einem Jahr zurechtstutzen lassen, triumphiert über Zonen- und Sektorengrenzen. Denn das Friseurhandwerk, so liest man, könne nicht gespalten werden. Auch im Osten schätzt man die Haare kurz und leicht gewellt, und so luden die Friseure des Ostsektors den prominenten Kollegen vom Kurfürstendamm, dessen Schere die mondänen Locken der Westberliner high society in Form bringt, zum Schaufrisieren in die HO-Gaststätte "Melodie". Hier zeigte der Meister, was er auf Reisen in Frankreich, Italien und der Schweiz kürzlich gesehen hat. Damit können die Ostberliner Friseure den Anschluß an "die bekannte V-Form der internationalen Mode" halten; denn Mode, vernahmen die Versammelten beifällig, kenne keine Grenzen, "und das Friseurhandwerk gehört nun einmal zusammen".