Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Im Gegensatz zur Vorwoche war der Weltmarktverlauf Während, der Berichtswoche (11. bis 15. Oktober) durch eine rückläufige Preisbewegung; gekennzeichnet, die ihre Ursache in erster Linie in einer abwartenden Haltung der Nachfrageseite hatte. Die Schwächeneigung erfaßte nicht nur die überwiegende Anzahl der notierten Waren, sondern es waren auch die prozentualen Rückgänge der einmeinen Preise stärker als die Festigungen. Auch Moody’s Index für Warenpreise von Stapelgütern (31. 12. 1931 – 100) bringt durch seinen Rückgang von 404,6 (8. 10.) auf 402,3 (15. 10.) diese Tendenz zum Ausdruck. Bemerkenswert ist, daß während der Berichtswoche nicht nur die Preise agrarischer Nahrungsmittel rückläufig waren, sondern daß auch bei den NE-Metallen, und zwar bei Kupfer und Zinn, nach einer anhaltenden Festigung wieder eine Schwächeneigung auftrat. Der rückläufige Kupferpreis darf jedoch nicht als eine Entspannung dieses Marktes in dem Sinne betrachtet werden, daß ein größeres Angebot aus laufender Produktion die Entlastung ausübte, sondern ist vielmehr auf die Freigabe von Kupfer zurückzuführen, das für die strategische Reserve bestimmt war. Ob diese Freigaben in der Lage sein werden, eine weitere Festigung des Kupferpreises zu verhindern bis eine Vergrößerung des Angebots aus Produktionssteigerungen eintritt, erscheint fraglich.

Die bereits in der Vorwoche zum Ausdruck gebrachte Vermutung, daß die auf den Abschluß des Londoner Abkommens zurückgehende preisfestigende Wirkung nur einen unbedeutenden Faktor, darstellt, dürfte in dieser Woche ihre Bestätigung gefunden haben. Zweifellos hatten die vom Londoner Hafenstreik ausgehenden Wirkungen auf die Preisentwicklung stärkeren Einfluß und standen einer umfassenden Abwärtsbewegung im Wege.

Gelreide: Die Preisentwicklung auf den amerikanischen Getreidemärkten war uneinheitlich. Während Weizen und Gerste zur Schwäche neigten verzeichneten Roggen, Hafer und Mais eine Preisfestigung. Gegen Wochenschluß kam es infolge von ungünstigen Witterungsverhältnissen in großen Teilen des US-amerikanischen Sojabohnen- und Maisanbaugürtels an der Chicagoer Getreidebörse zu Anschaffungen der Kommissionäre und Deckungen der Baissiers, die zu Preisgewinnen führten. – Inzwischen hat das US-Landwirtschaftsministerium eine Ernteschätzung per 1. 10. 1954 veröffentlicht, die für Weizen, Mais, Hafer und Gerste unter der Schätzung vom 1. 9. 1954 liegt. Die Roggenernte wird weiterhin mit 23,3 Mill. bu veranschlagt.

Kupfer: Bisher ließ das Anziehen der Notierungen darauf schließen, daß mit Versorgungsschwierigkeiten gerechnet wird. Die Abschwächung trat ein, nachdem bekannt wurde, daß die Streiks in der US-Kupferindustrie nun beendet sind, die Wiederaufnahme der Arbeit bevorsteht und daß die Ausfuhrlizenzierung für Kupfer und Schrott nicht eingestellt ist. Außerdem trugen Berichte zu diesem Preisrückgang bei, aus denen hervorgeht, daß die Verwaltung der Allgemeinen Dienste (GSA) in Kürze für die strategische Reserve bestimmtes Kupfer den Verbrauchern zugänglich machen werde. Da es sich hierbei um Mengen von nur rd. 8000 t im Monat handeln soll, bleibt abzuwarten, ob hiervon tatsächlich auf die Dauer ein Einfluß auf die Lage des Weltmarktes ausgeht. Andererseits deutet die Freigabe von stockpile-Kupfer daraufhin, daß die Versorgungslage angespannt ist. Die Änderung auf dem Weltkupfermarkt geht auch aus nachstehenden chilenischen Angaben hervor: Während die chilenische Kupfergewinnung 1954 auf 339 000 t veranschlagt wird, sollen bereits insgesamt Kontrakte zur Lieferung von 378 859 t abgeschlossen worden sein, wovon 353 361 t auf Ausfuhrkontrakte entfallen. Da keine Vorräte mehr zur Verfügung stehen, ergibt sich ein Defizit zwischen voraussichtlicher Produktion und verkauften Mengen von 39 895 t. Hiermit’steht in Zusammenhang, daß die Braden Copper Company in Chile ab 10. Oktober die Sieben-Tage-Woche eingeführt hat, da man durch die Erhöhung der Arbeitszeit eine Monatsproduktion von 15 000 t zu erreichen hofft. – Nachdem die Streikbewegung auf dem amerikanischen Kontinent inzwischen zu einem Abschluß gekommen ist, scheint sich die Streiklage in Nordrhodesien zu verschärfen. Im nordrhodesischen Kupfergürtel sollen sich mehr als 20 000 Arbeiter im Ausstand befinden. Da Nordrhodesien der wichtigste Lieferant für den britischen Markt ist, dürfte dieser Streik nicht ohne Rückwirkungen auf die Belieferung dieses Marktes bleiben,

Blei und Zink: Der New Yorker Blei- und Zinkmarkt erhielt eine Stütze durch die Käufe für die strategische Reserve. In London wurde die Angebotslage als ziemlich knapp bezeichnet, und der Londoner Dockarbeiterstreik ließ Befürchtungen über eine weitere Anspannung der Versorgungslage aufkommen. Zum Wochenende gaben die Notierungen unter dem Einfluß der Entwicklung auf dem Kupfermarkt nach.

Schweißwolle: Nach einer einer längere Zeit anhaltenden Preisfestigungstendenz am New Yorker Wollmarkt trat in der Berichtswoche eine Abschwächung ein. Auch der Londoner Wollterminmarkt verzeichnete, überwiegend Preisabschwächungen. Erst zum Wochenende wurde die Tendenz auf den australischen Auktionen stetiger und die Stimmung in London freundlicher. Aus dem bisherigen Verlauf der Wollauktionen in den Dominion kann geschlossen werden, daß kein dringender Bedarf vorliegt. Vor allem scheint sich Japan, das noch im letzten Jahr den Wollmärkten eine Stütze bot, auf Grund seines Sterling-Mangels sehr zurückzuhalten. Auch die USA sind offensichtlich bisher noch nicht mit stärkeren Käufen hervorgetreten.