Die abgelaufene Börsenwoche entsprach etwa dem Wunschbild vieler Banken und eines großen Teiles der täglichen Börsenbesucher, die nicht nur der oft hektischen Bewegungen müde geworden sind, sondern denen die ständig steigenden Kurse wachsende Sorge einflößen. Der warnende Zeigefinger, der in vielen Börsenberichten der letzten Zeit sichtbar wurde, ist mit um so größerer Berechtigung erhoben worden, als sich das Geschäft mehr und mehr vonpo1itischen Argumenten tragen ließ und dabei die gesunde wirtschaftliche Basis zu verlieren drohte. Da sich jedoch der politische Szenenwechsel erfahrungsgemäß schneller vollzieht als reaktionswürdige Änderungen in der wirtschaftlichen Konjunktur, ist für den Wertpapiermarkt die Gefahr eines unvermuteten Rückschlages näher gerückt.

Wenn die Märkte insgesamt ausgeglichener geworden sind, so heißt es nicht, daß es nichts mehr zu verdienen gab. Wieder sorgten einige Sonderbewegungen für das Wachhalten des sich ständig ausweitenden Interesses an den Aktienmärkten. Zu nennen sind in erster Linie die IG-Farben-Liquis (45 1/2 –48 1/2 –(8), in denen große Umsätze zu verzeichnen waren. Begründet wird die Steigerung mit der schon im letzten Börsenbericht erwähnten Ausschüttung des Rheinstahlanteils und mit der Hoffnung, daß die Pariser Verträge die Freigabe des im Ausland noch beschlagnahmten deutschen Eigentums beschleunigen werden. Seit Beginn dieser Woche werden die "Liquis" ex Ratenschein t (39 1/4) notiert. Im Freiverkehr handelte man erstmalig die Rheinstahlansprüche aus den "Liquis", bei denen sich jedoch gegenüber den effektiven Rheinstahlaktien und den Neugrosammelanteilen keine wesentliche Marge ergab. Die IG-Farben-Nachfolger tendierten im wesentlichen ausgeglichen.

Bei den Montanen wurden die zeitweilig aulgetretenen erheblichen Rückschläge durch erneute Käufe aus dem In- und Ausland ausgeglichen. Unter Berücksichtigung des Abschlages durch den Ratenschein 13 (20 Punkte für Handelsunion) blieb der Stahlvereinskurs mit 82; v. H. stabil. Besondere Beachtung fanden die Aktien der GHH-Nürnberg, nachdem der AR für 1953/54 (30. Juni) eine Dividende von 8 v. H. angekündigt hat. Man glaubt hierin eine sich andeutende Wende in der Dividendenpolitiklitik der Montanindustrie zu sehen, wodurch das jetzt erreichte Kursniveau eine Untermauerung finden würde. Der Kurs von GHH-Nürnberg liegt nunmehr bei 175 v. H.

Gewinnmitnahmen drückten die Kurse bei den Maschinen- und Bau werten. Im Gegensatz zu dieser Tendenz standen Demag, die inzwischen die 200-Prozentgrenze erreicht haben. Freundlich lagen weiterhin die Papiere der Zementindustrie, wo die Hoffnungen auf eine verstärkte Bautätigkeit im Zusammenhang mit der Wiederaufrüstung zu Meinungskaufen Anlaß gaben. Uneinheitlich erschienen die Textilwerte, wo Chemiefaser mit einem Verlust von 10 Punkten die größte Schwankung aufzuweisen haben. Bei den chemischen Papieren warteten Schering (Freigabehoffnungen) mit einem Plus von 13 Punkten auf. Autowerke waren unverändert, ebenso die Elektropapiere, wo AEG sich ex Bezugsrecht auf 177 v. H. stellten. Siemens erreichten mit 215 v. H. den höchsten Stand.

Bei den Reedereiaktien ergibt sich laufend ein nicht voll aus dem Markt genommenes Angebot. Eine Ausnahme bilden lediglich Hansa-Dampf, die in RM mit 57 1/2 v. H. (in DM: 115) notieren und bei denen man in Börsenkreisen von Dividendenaussichten sowie von Kapitalerhöhungsplänen spricht. Am Rentenmarkt wurden aus der Investitionshilfe stammende Industrieobligationen zu weichenden Kursen aufgenommen. Steuerbegünstigte RM- und DM-Papiere blieben andererseits gesucht. Reichsschatzanweisungen wurden zu 4,40 v. H. gehandelt. – ndt

*

Die Westfälische Transport AG, Dortmund, (AK: 9 Mill. DM) an der die eisenschaffende Industrie und der Bergbau des östlichen Ruhrgebietes maßgeblich beteiligt ist, schloß 1953 mit einem Gewinn von rd. 99 000 (1. V. 232 000) DM, der u. HV-Beschluß zur Tilgung des Verlustvortrages aus den Vorjahren auf 801 561 DM verwendet wird. Der unausgeglichene Verkehr, insbesondere in der Emden- und Mittellandkanalfahrt, hat sich stark kostenerhöhend ausgewirkt. Das Geschäftsjahr 1954 verlief bisher zufriedenstellend, so daß mit einem weiteren Verlustabbau gerechnet wird. Der Vors. des AR, Dr. Ludwig Holle (Essen), erklärte auf der HV, daß wegen des Mißverhältnisses zwischen Gesellschaftskapital (9 Mill. DM) und dem Anlagevermögen (22,69 Mill. DM) eine Aufstockung des Aktienkapitals immer dringlicher werde. Man hoffe, Anfang des nächsten Jahres einer ao. HV Vorschläge zur Konsolidierung der Finanzstruktur unterbreiten zu können. In den AR wurde Hüttendir. Dr. Friedrich Elshoff (Dortmund-Hörder Hüttenunion AG), Dortmund, zugewählt, an Stelle des verstorbenen Mitgliedes des AR, Dr. h. c. Hermann Wenzel, Rüthen.