Zu der Gelbsucht der Fußballmannschaft und Gerüchten, die deutschen Spieler seien in der Schweiz gedopt worden, schreibt unser medizinischer Mitarbeiter:

Die Gelbsucht hat ihren Namen daher, daß die Haut der davon Befallenen mehr oder minder gelb ist. Sie weist auf eine Betriebsstörung in der Leber hin. Die Gelbsucht ist nur ein Symptom, das bei einer ganzen Reihe von Krankheiten auftreten kann. Erkranken aber fünf Menschen eines relativ kleinen Teams von etwa 30 Mann, so engt sich die Zahl der Krankheiten automatisch ein. Es muß sich dabei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um eine Infektionskrankheit handeln, denn es wäre ein zu großer Zufall, daß ausgerechnet diese fünf Menschen an Gallenblasenentzündungen oder an Gallensteinen leiden sollen. Ebenso hieße es den Zufall überfordern, wollte man allen fünf Spielern eine Arsen- oder Phosphorvergiftung zuschreiben. Bleibt also nur die Infektion als Ursache der Gelbsucht, Da wiederum gibt es drei wesentliche Erscheinungsformen. Zwei davon, nämlich die sogenannte Weitsche Krankheit und die epidemische Leberentzündung, werden durch Wasser, Nahrungsmittel und Verschmutzung übertragen. Die dritte, die hämatogene infektiöse Leberentzündung, wird durch Einspritzen übertragen. Nimmt man nun an (eine vorläufig allerdings durch nichts bewiesene Vermutung), daß die Infektion während der Fußballweltmeisterschaft erfolgte, so werden dadurch die beiden ersten Arten der infektiösen Gelbsucht ausgeschlossen, da diese beiden Krankheiten eine Inkubationszeit, jene Zeit also, die zwischen der Berührung mit dem Erreger und dem Ausbruch der Krankheit verläuft, von weniger als zwei Monaten haben. Damit würde aber auch die Infektion durch Nahrungsmittel und Wasser hinfällig. Es bleibt dann nur noch die hämatogene infektiöse Leberentzündung übrig, die fast ausschließlich durch Spritzen übertragen wird und die eine Inkubationszeit von 60 bis 140 Tagen hat. Der Erreger dieser Krankheit ist ein sehr widerstandsfähiges Virus, das der Spritzenkanüle anhaftet und bei der üblichen Heißwassersterilisation nicht abgetötet wird. Es wird beim Einstich der Nadel durch die Haut hindurch transportiert und ruft dann nach der entsprechenden Zeit die Gelbsucht hervor. Es ist dabei gleichgültig, was für ein Mittel sich in der Spritze befindet oder ob die Spritze lediglich zur Blutentnahme benutzt wird. Es gibt kein Dopingmittel, das eine Gelbsucht hervorruft. Die Verhältnisse objektiv zu klären, wird sehr schwer sein, da es bisher noch nicht gelungen ist, mit Sicherheit die Erreger der hämatogenen von den Erregern der epidemischen Gelbsucht zu trennen. Gegen die Applikation von Dopingmitteln vor dem Weltmeisterschaftsspiel spricht außerdem, daß nur fünf Spieler erkrankten und daß auch ein Ersatzspieler erkrankte (das Dopingmittel kann nur unmittelbar vor dem Einsatz gegeben werden). Eine Nahrungsmittelinfektion auf einem der vielen Empfänge, die die Fußballspieler nach der Weltmeisterschaft zu überstehen hatten, ist grundsätzlich genau so möglich wie die Spritzeninfektion während der Zeit der Weltmeisterschaftsspiele. d. z.