Der Ablauf der Privatklage des ehemaligen Bundesvorstandsmitgliedes und Leiters der Wirtschaftspolitischen Abteilung beim DGB, Hans vom Hoff, gegen den Vorsitzenden des DGB, Walter Freitag, hat einen unerfreulichen Einblick in den internen Personalkrieg bei der höchsten DGB-Führung gegeben. Walter Freitag hatte auf Grund des ihm, wie es seinerzeit hieß, von Georg Reuter, dem stellvertretenden Vorsitzenden des DGB, vorgetragenen SED- und KPD-Materials in einem Schreiben an alle Vorsitzenden der Industriegewerkschaften und der Landesverbände des DGB mitgeteilt, daß er seinerzeit von Hans vom Hoff bei der Gestapo denunziert und in das KZ lanciert worden wäre.

Es war klar, daß einem alten Gewerkschaftler, wie Hans vom Hoff, bei einer solch ungeheuerlichen Behauptung, die zugleich von einem Ausschlußverfahren aus den Gewerkschaften begleitet war, nichts anderes übrig blieb, als zu klagen. Sein Versuch, mit seinem alten Freund und Kollegen die Dinge intern zu klären, schlug fehl. Es schlug fehl, weil seinerzeit nach Ablösung Fettes die Kreise um Georg Reuter mit allen Mitteln versuchten, die Männer der Böckler-Zeit auszumerzen und mit ihnen die auf Ausgleich bedachten Kräfte zu entfernen.

Das Amtsgericht Düsseldorf, das die Klage behandelte, hat nun festgestellt, daß der Angeklagte Freitag nicht freigesprochen werden könne. Das Verfahren müsse allerdings eingestellt werden, weil alle Strafen bis zu drei Monaten Gefängnis unter die Amnestie fielen. Freitag wurde jedoch zur, Zahlung der Gerichtskosten und aller durch den Rechtsstreit entstandenen Privatkosten von Hans vom Hoff verurteilt. In der Begründung heißt es: Freitags Brief ist eine Beleidigung. Der Angeklagte hat eine unwahre Tatsache verbreitet. Wenn Freitag den Sachverhalt nachgeprüft hätte, hätte er mit Leichtigkeit die Haltlosigkeit der Behauptung feststellen können. Dem Gericht sei es unverständlich, wie man Darstellungen in der westdeutschen KP-Presse und im SED-Organ "Neues Deutschland" für bare Münze nehmen und wie man, ohne sich weiter zu informieren, einen langjährigen Gewerkschaftskollegen des Verrates bezichtigen könne. Die Untersuchung habe ferner ergeben, daß Freitag keinen Weg gesucht habe, die Sache privat zu bereinigen. Dem Gericht wäre klargeworden, "daß der Brief die Absicht gehabt hätte, vom Hoff vor den Gewerkschaftsführern verächtlich zu machen".

Daß zwei verdiente Gewerkschaftler, die viele Jahre gemeinsam vor und nach dem Kriege zusammengearbeitet haben, in dieser Form vor die Schranken des Gerichtes treten müssen, ist bedrückend. Beide Männer waren einst für ihre Überzeugung in die Gestapo-Gefängnisse gekommen. Heute hat Walter Freitag offenbar nicht mehr den Mut und die innere Kraft, eine billige Verleumdung, deren Irrtum er durch seinen Anwalt vor Gericht zugab, auch offiziell zurückzunehmen. Vielleicht "darf" er es auch nicht. Offenbar sind die Berater um ihn zu stark von persönlichem Ehrgeiz bestimmt, als daß sie den Willen aufbringen könnten, solche Angelegenheiten gewerkschaftsintern und kollegial zu regeln. Hinter diesem Prozeß stehen auf beiden Seiten starke Gruppen, deren gewerkschaftliche Grundauffassungen diametral einander entgegenstehen. Die Männer um Georg Reuter – der übrigens bei den Vorstandswahlen, außer Freitag, die wenigsten Stimmen der Delegierten in Frankfurt erhalten hatte – täuschen sich aber, wenn sie glauben, daß der Geist eines Hans Böckler und dessen aus dem Herzen kommende überlegene Führungsmethode nicht noch Millionen Anhänger in der Arbeiterschaft und Hunderte unter den Delegierten hätte. Rlt.