Die Spareinlagen bei den westdeutschen Sparkassen, Girozentralen und öffentlichen Bausparkassen werden in diesen Tagen die 10-Mrd.-Grenze überschreiten. Mit dieser Bilanz wird am Freitag dieser Woche der Weltspartag 1954 begangen werden. 10 Mrd. allein auf Sparkonten bei öffentlichen Instituten, das ist – wer wollte die Hemmungen bagatellisieren, die von der Einkommensseite heute noch dem Sparen entgegenstehen – ein eindrucksvolles Zeichen für Vorhandensein eines beträchtlichen Verantwortungsbewußtseins –, das ist aber auch ein sich in einer vierteiligen Zahl niederschlagendes Votum des Vertrauens, das heute breite Bevölkerungsschichten der wirtschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik entgegenbringen.

Mögen sie auch weiterhin nicht enttäuscht werden, Entscheidend für die weitere Aufrechterhaltung eines guten Sparklimas, das zu einem Wertmesser für unsere wirtschaftliche Konsolidierung geworden ist, wird es sein, ob es auch in Zukunft gelingen wird, den bisherigen wirtschaftspolitischen Kurs zu halten, genauer und konkret gesprochen: auch unter den Belastungen der Aufrüstung den Geldwert stabil zu halten.

Der diesjährige Weltspartag steht unter dem Motto: "Sparsam sein, sich selber helfen" oder anders: "Freiheit durch Sparen." Es wäre in der Tat eine bittere Ironie des Schicksals, wenn wir am Spartag 1955 oder 1956 feststellen müßten, daß wir über den Anstrengungen zur Sicherung unserer äußeren Freiheit die innere aufs Spiel gesetzt haben. kr.