Het Nederlands Ballett – diese Gründung verdient schon jetzt Aufmerksamkeit. Der holländische Staat stellte dem neuen Ensemble einen jährlichen Zuschuß von 60 000 Gulden zur Verfügung. Das Publikum, inzwischen an den Maßstäben der oft in Holland gastierenden ausländischen Spitzentruppen geschult, wurde zugleich aufgerufen, Teilhaber des Balletts durch eine Mitgliedschaft bei den "Freunden des niederländischen Balletts" zu werden. Man steht also vor dem interessanten Beispiel einer gemeinsamen Subventionierung durch den Staat und private Kreise. Ein Experiment, das bei einigem Erfolg den holländischen Staat ermutigen würde, über die zunächst ersichtliche wohlwollende Reserve hinaus umfassendere Hilfe zu leisten, wie sie eines Tages dem englischen Sadler’s Wells Ballett zuteil wurde. Auch dies prominente Londoner Ballett begann schließlich ganz bescheiden, wobei es frühzeitig ermutigt wurde durch die Gemeinschaftshilfe einer mäzenatischen Gesellschaft.

Inzwischen hat das holländische Ensemble seine erste Premiere gehabt, und es tut dem mutig begonnenen Unternehmen zunächst keinen Abbruch, wenn von echten Resultaten noch keine Rede sein kann. Bemerkenswert aber ist der Weg, den die Ballettmeisterin Sonja Gaskell zu gehen gesonnen ist. Sie will vorerst einmal eine schulische Grundlage schaffen, den Nachwuchs allmählich auf die Bühne führen, Talente erproben, kurz: Aufbauarbeit leisten und nicht etwa gleich mit einzelnen, eigens verpflichteten Stars auftrumpfen. Es ist ein Weg, der harte Geduld fordert. Ein Ballett muß lange wachsen, bevor es blühen kann. Man darf gespannt sein, ob Choreographen wie Balachine und Taras, die mit dem holländischen Ballett arbeiten wollen, mit den Kräften, die sie vorfinden, "auskommen" werden oder ob sie doch reifere Tänzer hinzuziehen.

Das reizvolle, moderne Ballett "Tanz um einen Mantel", in dem sich Regen, Hagel, Wind und Sturm um den Mantel eines einsamen Wanderers, raufen, bedeutete schon deshalb die Spitze Abends, weil die Ballettmeisterin selbst in ihrer Choreographie genauer auf die Beschaffenheit ihres Ensembles Rücksicht nehmen konnte. Hier wurde ersichtlich, wie bei einer gewissen äußeren Bescheidung und inneren Konzentration die Leistung gleich beträchtlich wachsen kann. Rolf Trouwborst