In Bremen, das sich dank der unternehmerischen Initiative der Borgward Automobil-Gruppe mehr und mehr zu einem bedeutenden Schwerpunkt der deutschen Kraftfahrzeugindustrie entwickelt, stellte die Lloyd Motoren Werke GmbH, dieser Tage das Modell 1955 ihrer Typen LP 400 S und LS 400 S (letzterer mit dritter, rückwärtiger Tür) vor. Die Modelle verfügen jetzt über eine Ganzstahlkarosserie, womit das Unternehmen der zielsicheren Entwicklung dieses einzigen Gebrauchswagens unterhalb der Halblitergrenze, der sich im Inland wie im Ausland wirklich durchsetzen konnte, den vervollkommnenden Abschluß und die Krönung gab.

Die Linienführung dieses leistungsfähigen deutschen Kleinwagens ist nocheleganter geworden; dazu trägt auch die durch das große gewölbte Heckfenster geschaffene Rundumverglasung wesentlich bei. Der Fahrkomfort erfuhr ebenfalls nennenswerte Verbesserungen: dank der Verbreiterung der hinteren Spur ergibt sich im Innenraum eine überraschend günstige Bewegungsfreiheit und Bequemlichkeit für vier erwachsene Personen. Die Türen haben eine automatische Feststellungseinrichtung erhalten, und das geänderte Axialgebläse bringt neben den besseren Kühlungsverhältnissen eine beachtenswerte Dämpfung des Ansauggeräusches, das bisher oftmals als störend empfunden wurde.

Mit dem Schritt zur Ganzstahlkarosserie gehört der "Leukoplastbomber" – so wurde der Lloyd-Kleinwagen auf Grund seiner damaligen Kunstlederbespannung früher scherzhaft genannt – endgültig der Vergangenheit an.

Es dürfte schon Jetzt feststehen, daß das neue Lloyd-Modell in Deutschland und auch im Auslande sich einen erheblichen Marktanteil sichern wird. Schon in den rückliegenden Monaten überstiegen die Kundenwünsche meist die Ausstoßziffern, obwohl eine neuerbaute weitere Montagehalle die Produktion von 200 Einheiten je Tag gestattet. Das Werk, das rund 3000 Arbeitskräfte beschäftigt, stellte 1951 nach dem Beginn der Serienfertigung 6800 Wagen her und steigerte die Produktion 1952 auf 10 100 und 1953 auf 19 300 Einleiten. Im laufenden Jahr wurden bis zum 30. September bereits 26 100 Wagen produziert und verkauft. Rund 20 v. H. der Fertigung gehen ins Ausland; die Lloyd-Werke liefern nach 51 Ländern. An der Spitze steht Schweden mit 300 Wagen je Monat. Auch Österreich hat sich in der letzten Zeit zu einem guten Lloyd-Kunden entwickelt; es nimmt je Monat 150 bis 200 Einheiten ab. In Belgien und in Irland bestehen eigene Lloyd-Montagewerke.

Die Einführung der Ganzstahlkarosserie und der übrigen Verbesserungen bedeutet, da sie ohne jede Preiserhöhung erfolgt, in Wirklichkeit eine nennenswerte Preisermäßigung für den Lloyd-Kleinwagen. Daß dieser Schritt in der Zeit gewisser Preiserhöhungen bei Materialien und nach den erfolgen Lohnerhöhungen möglich war, ist letzten Endes das Ergebnis straffster Kalkulation und strengster Rationalisierung, zwei Pluspunkte, die neben einem gesunden Betriebsklima zu den wesentlichen Vorteilen dieses erfolgreiche! Unternehmens gehören. w w.