Das Atomjahrhundert scheint bereits in das Vorpubertätsalter wirrer Sentimentalität und falscher Romantik einzutreten. Es wird berichtet, daß James R. Conant die Atomenergieausstellung; in Berlin damit eröffnet habe, daß er eine Rose in eine radioaktive Flüssigkeit tauchte und sie dann, vor einen Geigerzähler hielt, dem nichts, übrigblieb als auszuschlagen. Das sei symbolisch die Eröffnung. Das Symbol selbst ist zwar ein wenig ungreifbar. Dann wäre es schon konsequenter gewesen, wenn der Ausschlag des Zählers ein kleine Atomexplosion verursacht hätte, durch die die Tür des Pavillons gesprengt worden wäre. Es braucht ja nicht immer gleich ein ganzes Atoll in die Luft zu fliegen. Ja, wäre nicht angesichts der Meldungen aus Japan über den Leichenbefund des vom Atomstaub eines Experiments zerfressenen Fischers eine andere Geste am Platze, die Wenigstens, wenn wir schon lyrisch werden müssen, um uns von der Wirklichkeit abzulenken, die Unschuld der Rose unberührt gelassen hätte? Für Experimente sind weder japanische Fischer noch Menschen in der Eifel und nicht einmal eine Rose geschaffen worden. Und das Symbol der radioaktivierten Rose kann nur so gedeutet werden, daß der Geist, der Elemente verwendet, die er noch nicht beherrscht, dazu neigt, dem Leben gegenüber gleichgültig zu werden. Dies zu demonstrieren, bedarf es aber weder praktischer noch symbolischer Beweise. Dazu sind Rosen nicht da. O. K. Albert