Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die schon während der Vorwoche auf den Weltwarenmärkten zu beobachtende Zurückhaltung der Nachfrager wie auch der Anbieter führte während der Berichtswoche zur Fortsetzung der Schwächeneigung bei der überwiegenden Anzahl der hier notierten Waren. Im Getreide- wie auch im Baumwollanbau scheint sich in den wichtigsten Erzeugerländern eine Verringerung der Anbaufläche, verbunden mit geringeren Ernteerträgen, durchzusetzen, so daß besonders bei Getreide in diesem Jahr kaum eine nennenswerte Vergrößerung der Vorräte stattfinden wird. Es ist anzunehmen, daß diese Erwartung bereits jetzt zu einer gewissen Festigung der Getreidemärkte beiträgt, wobei jedoch nicht übersehen werden sollte, daß die aus früheren Jahren vorhandenen Lagerbestände so umfangreich sind, daß eine Getreideversorgung der Welt ohne weiteres gesichert ist und Preissteigerungen in größerem Umfang kaum zu erwarten sind. – Bei Kaffee und Kakao scheint sich neuerdings eine Preisfestigung abzuzeichnen, zumal die Verbraucher gezwungen sind, zur Auffüllung ihrer Lagerbestände stärker als Nachfrager aufzutreten.

Einen Überblick über die Preisentwicklung in der Woche vom 18. bis 22. Oktober vermittelt nachstehende Tabelle: Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei 9 die Tendenz leicht steigend bzw. steigend und bei 10 leicht bis stark schwächer. Die Preise von 4 der notierten Waren, nämlich Aluminium, Blei, Zink und Zucker, waren konstant.

Weizen: Auf den nordamerikanischen Getreidemärkten festigten sich die Weizennotierungen, da der inländischen Nachfrage allgemein nur ein begrenztes Angebot gegenüberstand. Da Exportgeschäft war ruhig. An der Winnipeger Getreideböse war eine lebhafte Umsatztätigkeit zu verzeichnen. Die Bundesrepublik soll beabsichtigen, 100 000 t Manitobaweizen noch vor Beendigung der diesjährigen Verschiffungssaison zu kaufen. – Die diesjährige kanadische Weizenernte wird auf etwa 250 bis 300 Mill. bu geschätzt und erreicht damit noch nicht einmal die Hälfte der Rekordernte von 1953. Da auch die USA eine im Vergleich zum Vorjahr um etwa 230 Mill. bu niedrigere Ernte erwarten und desgleichen Australien und Argentinien wahrscheinlich nur durchschnittliche Ernten einbringen werden, wird angenommen, daß das Aufkommen in diesem Jahr dem Weizenkonsum entsprechen wird. Mit Ausnahme von Frankreich liegt auch das europäische Ernteergebnis unter demjenigen des Vorjahres. Diese Verhältnisse dürften dazu beitragen, das Absatzproblem der großen Erzeugerländer zu mildern, da anzunehmen ist, daß sie nicht nur keinen neuen hohen Übertrag in die nächste Saison übernehmen müssen, sondern, daß sie auch zumindest einen kleinen Teil ihrer alten Bestände werden absetzen können. Bisher allerdings liefen die kanadischen Weizenexporte seit Beginn des Wirtschaftsjahres mit 39,952 Mill. bu um 3,27 Mill. bu unter denjenigen des entsprechenden Zeitraumes des Vorjahres. – In Australien wurde im Abgeordnetenhaus vom Minister für Haidel und Landwirtschaft ein Gesetzentwurf eingebracht, dessen Ziel es ist, den australischen Weizenpreis für einen Zeitabschnitt von fünf Jahren zu stabilisieren. Nach diesem Plan soll die australische Regierung den Weizenfarmern die Erstattung der Erzeugungskosten bis zu einer Exportmenge von 100 Mill. bu je Ernte während der Jahre 1953/54 bis 1957/58 garantieren.

Kupfer: Nachdem die Streiks in den USA und Chile beendet sind, und der Produktionsausfall in beiden Ländern (der in US-Fachkreisen auf rd. 70 000 sht veranschlagt – wird) durch Produktionsausweitungen wieder wettgemacht werden soll, und außerdem insgesamt 26 500 sht Kupfer aus US-Regierungsbeständen an die Verarbeiter freigegeben werden, dürfte die knappe Versorgungslage weitgehend behoben sein. Der Rückgang der Notierungen ist daher als Reaktion auf die Entspannung der Versorgungslage anzusehen. Von den erwähnten 26 500 sht aus Regierungsbeständen werden 17 500 sht aus dem Ausweitungsprogramm entnommen, das im Rahmen des Verteiiigungsproduktionsgesetzes aufgestellt worden war. Die restlichen 9000 sht Kupfer aus der strategischen Reserve müssen dieser dagegen bis zum 30. 6. 1955 wieder zurückgegeben werden. Um einen Abfluß der zusätzlich zur Verfügung gestellten Kupfermengen aus den USA zu verhindern, wurden für das vierte Vierteljahr 1954 Raffinade-Kupfer, Kupferschrott und Kupferlegierungsschrott der Ausfuhrlizenzierung unterworfen. – In London war zum Teil eine recht rege Nachfrage der britischen Verbraucher festzustellen, die den Preisen eine Stütze bot So konnte sich z. B. der Settlementpreis für Kupfer von 260 £/lgt am 18. 10. auf 270 £/lgt am 22. 10. erholen. Die anhaltenden Arbeitsschwierigkeiten im rhodesischen Kupferbergbau waren ein weiteres Moment, das zur Festigung der Londoner Loconotierung beitrug. Allerdings schienen die Verbraucher zum Teil eine Klärung des Dockarbeiterstreiks abzuwarten.

Zinn: Auch bei Zinn war die Preistendenz leicht rückläufig. Die anfänglichen Preisrückgänge in Singapur, und das Fehlen eines größeren Kaufinteresses führten zu einem eher zur Schwäche neigenden Grundton. Gegen Wochenschluß setzte sich in London ein stetiger Grundton durch. Im allgemeinen sind Preisbewegungen bei Zinn in der letzten Zeit geringer gewesen als bei den anderen NE-Metallen. Es ist anzunehmen, daß hierin die Erwartung auf den Abschluß des Internationalen Zinnabkommens zum Ausdruck kommt, dessen Ziel die Stabilisierung des Zinnmarktes ist.

Baumwolle: Die New Yorker Loconotierung war leicht rückläufig. Im allgemeinen hat sich das Volumen der Locokäufe ausgeweitet, da die diesjährige US-Baumwollernte qualitativ nicht so gut ausgefallen ist wie die vorjährige, und zum Teil die Befürchtung gehegt wird, daß sich im Verlauf der Saison eine Verknappung in besseren Gradierungen ergeben könnte. Die Beleihungen, die am 8. 10. mit etwas über 216 000 Ballen um über 50 v. H. unter dem Stand des entsprechenden Zeitraumes 1953 lagen, haben sich in der Berichtswoche um etwa 61 000 Ballen erhöht. Der diesjährige Baumwollexport der USA in der Saison. 1954/55 hat bisher einen günstigen Verlauf genommen. Nach Angaben des Statistischen Dienstes der New Yorker Baumwollbörse haben die USA in der laufenden Saison bis zum 14. Okt. 531 714 Ballen exportiert gegenüber 505 306 Ballen in der Vergleichszeit des Vorjahres. – Das US-Landwirtschaftsministerium schätzt die Weltbaumwollernte 1954/55 auf 34,7 Mill. Ballen, d. h. um über 8 v. H. niedriger als in den letzten Jahren. Dieses ist vor allem darauf zurückzuführen, daß die US-Baumwollernte infolge der Anbaubeschränkungen wahrscheinlich 24 v. H. unter dem Vorjahrsergebnis liegen wird, und daß die Ausweitung des Baumwollanbaues in den übrigen Erzeugerländern nicht ausreicht, um den Rückgang der US-amerikanischen Erträge zu kompensieren.