Nun haben auch die Engländer in der splendid Isolation ihrer Insel das Problem zu lösen, wie man Neger in das wirtschaftliche und soziale Leben eingliedert. 1500 schwarze britische Untertanen aus den Kronkolonien in Westindien – vornehmlich Jamaika – und Westafrika sind im Jahre 1946 eingewandert, 1953 waren es 8000, und 1954 dürfte die Zahl noch übertroffen werden, da bereits bis Ende August 5000 Neger nach England gekommen waren. Meistens sind es arme Schlucker, die nur unter Beteiligung aller verdienenden Familienmitglieder die Kosten der Überfahrt aufbrachten. Für die Familie aber ist das eine Art Kapitalanlage, denn der Empfänger fühlt sich verpflichtet, sie alle nachkommen zu lassen, sobald er einen Job gefunden hat.

Nun ist an gutbezahlte Jobs für Neger in England kein Mangel, da Diener, Hausangestellte, Kindermädchen und Handwerker aller Art sehr gesucht sind. Solange der Neuankömmling keine Anstellung hat, nehmen Verwandte und Freunde ihn auf, die vor ihm den großen Sprung auf das britische "Mutterland" wagten. Die zuständigen Stellen geben die Zahl der in den Arbeitsprozeß eingeschalteten Schwarzen mit über 50 000 an. Solange die Eingliederung ohne Konkurrenz mit Weißen erfolgt, vollzieht sie sich reibungslos. Gerät aber ein Weißer in Gefahr, seinen Arbeitsplatz durch einen schwarzen, billigeren Konkurrenten zu verlieren, so entsteht eine feindliche Atmosphäre, insbesondere auch dann, wenn es sich um Wohnraum handelt, an dem auch in England ein fühlbarer Mangel besteht.

Wenn es auch bisher nicht zu Auseinandersetzungen in größerem Umfange gekommen ist, so wächst doch diese Gefahr mit der zunehmenden Einwanderung. Die Regierung in Jamaika hat erfolglos versucht, sie zu reduzieren, die Regierung in London aber hat bisher nichts gegen den schwarzen Zustrom unternommen. Private Vereinigungen in Großbritannien haben jetzt den Kolonialminister ersucht, er möge die mit der Einwanderung von Negern verbundenen Fragen eingehend untersuchen und der Regierung Vorschläge für die Lösung dieses immer dringlicheren Problems machen. -t-r