Nach den Hörer-Tests mehrerer Rundfunkanstalten stehen am höchsten im Interesse der Hörer die bunten Abende und die Quiz-Sendungen, dann folgen die Nachrichten – und gleich danach die Hörspiele. Das bedeutet nach Ziffern: ein Hörspiel, das zum Beispiel der NWDR auf Mittelwelle sendet, wird von drei bis vier Millionen Hörern aufmerksam gehört. Unter diesen befinden sich zweieinviertel Millionen, die sich einer größeren Anzahl von früher gehörten Hörspielen gut entsinnen und imstande sind, ihre Urteile und Wünsche zu formulieren. Nicht nur also, daß das Hörspiel sich innerhalb des Funks besser "verkauft" als die weitaus meisten anderen Sendungsarten, es erreicht auch die funkische Formung eines Stoffes ein Vielfaches der Empfängerzahl, mit der andere Formungen – der Roman, das Drama, ja sogar auch der Film – je rechnen können. Ein Beispiel: während Herman Wouks "Meuterei auf der Caine" jetzt eine Gesamtauflage von etwa einer halben Million, die Dramatisierung des Romans günstigenfalls von einigen Hunderttausend erfaßt und der Film gleichen Titels geraume Zeit braucht, bis seine Besucherzahl die Millionengrenze erreicht, kann das Hörspiel "Meuterei auf der Caine" allein in Deutschland in wenigen Wochen mehrere Millionen von Hörern in Erregung bringen. Und noch ein Umstand steigert die Publizität der funkischen Formung: ihre Wiederholung kostet den Empfänger weder Geld (wie Theater und Kino) noch besonderen Zeitaufwand. – Diese Ergebnisse zeigen, welche Möglichkeiten die Hörspielabteilungen haben. Sie zeigen auch, wie gut und notwendig es ist, daß sie an der Aufstellung eines "Hörspielrepertoires" arbeiten, wie es bis jetzt – nachdem Radio Bremen vor zwei Jahren den Anfang machte – zwei von ihnen systematisch tun: der Südwestfunk, der sämtliche Hörspiele Günter Eichs, die älteren davon in neuer Inszenierung, als "Günter Eich-Repertoire" in seinen Spielplan nimmt, und der NWDR Hamburg, der durch Auswertung von Antworten auf eine Umfrage die wertbeständigen Werke zu ermitteln sucht. Das Beispiel sollte nachgeahmt werden, denn es hat sich erwiesen, daß die Hörer dankbar sind, wenn sie ein wertvolles Hörspiel öfter hören können, und dafür gern auf manches Eintagswerk verzichten.

Wir werden sehen:

Freitag, 5. November, 21 Uhr:

Den ersten Beitrag des Süddeutschen Rundfunks zum Deutschen Fernsehen: André Obeys kürzlich von Radio Bremen als Hörspiel gesendeter Iphigenie-Einakter "Ein Opfer für den Wind", in Stuttgart als Fernsehspiel inszeniert.

Sonnabend, 6. November, 21. 00: Als ersten Beitrag des Bayerischen Rundfunks zum Deutschen Fernsehen eine Fernsehbearbeitung von Mozarts Komischer Oper "Die Gärtnerin aus Liebe". – Dienstag, I. November, 20. 55: Als Gespräch des Monats eine öffentliche Diskussion über die Ladenschlußzeiten, unter Leitung von Dr. Fritz Brühl.

Wir werden hören:

Donnerstag, 4. November, 20. 30 vom Südwestfunk: