d. a., Hamburg

Bisher mußte der amerikanische Kongreß für jeden einzelnen Einwanderer, der mit einer kleinen Vorstrafe belastet war, eine Sondergenehmigung erlassen. Es wurde aber eine solche Genehmigung nur erteilt, wenn die Person des Einwanderers sie rechtfertigte. Die kirchlichen und karitativen Verbände haben nach dem letzten Weltkrieg festgestellt, daß die Staaten des hungernden Europas zur Aufrechterhaltung der Ordnung scharfe Strafen für kleinste Vergehen gegen die Gesetze zur Regelung täglicher Bedarfsgüter aussprachen, die nach Normalisierung der Zustände für den Bestraften den bekannten Fleck auf der weißen Weste hinterließen. Ein Engländer zum Beispiel erhielt für das Nichtzurückgeben einer Lebensmittelkarte Gefängnis; ungezählte Deutsche waren beim Kohlen- oder Lebensmitteldiebstahl erwischt worden.

Die kirchlichen und karitativen Verbände bezeichneten diese Vergehen sogar teilweise als moralisch nicht zu verurteilen und übten einen so starken Druck auf den Kongreß aus, daß sich einige seiner Mitglieder in den betroffenen Ländern persönlich von den Tatsachen überzeugten. Sie waren alle der Meinung, daß die Einwanderungsgesetze, die jeden Antragsteller mit der kleinsten Bestrafung zurückwiesen, geändert werden mußten. Am 3. September beschloß daraufhin der Kongreß, die Einwanderungsbestimmungen so zu erweitern, daß Personen mit nicht mehr als einem Vergehen oder einer Übertretung Visen erhalten können. Für Deutschland ist die Höchstgrenze eine einzige Verurteilung bis zu sechs Monaten Gefängnis oder eine Geldstrafe bis 2200,– DM, oder beides zusammen.

Nach der kürzlich erfolgten Unterzeichnung der Änderungsgesetze durch Präsident Eisenhower haben die Konsulate mit der erneuten Prüfung bisher abgelehnter Einwanderungsanträge begonnen. Kein Antragsteller braucht sich selbst zu bemühen, die Prüfung erfaßt automatisch alle bisher abgelehnten Anträge. Vom Generalkonsulat Hamburg hat das erste Dutzend Glücklicher jetzt ihre Visen dank der neuen Bestimmungen erhalten.