Die von Optimismus erfüllten Reden, welche kürzlich in Bonn anläßlich des Besuches zweier ioher chilenischer Gäste, des Wirtschaftsministers jlorge Silva Guerra und des Siedluogsministers j "o Montero Schmidt, gewechselt wurden, sollten nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß Staat Chile in Südamerika liegt, in jenem Kon- m also, der heute mit am meisten von inneren ;n bedroht ist. Auch das langgestreckte, land "tlich so reizvolle Land hinter den Cordilleren j reicht bei einer Breite von knapp 200 Kilo;rn von den Tropen bis in die Antarktis — ist 3n nicht frei. Kürzlich erst meldeten Telegramme , der Hauptstadt Santiago den Belagerungsitand. Er wurde verhängt als Präventivmaß hme gegen kommunistische Umtriebe, welche die Ittpferfördentng in Frage stellen. Nun ist Kupfer erade das wichtigste Außenhandelsprodukt Chiles. Auf ihm basiert die Stabilität der Währung und f damit der Export auch nach Deutschland, das soeben große Lieferungen an Investitionsgütern, unter anderem die Erstellung von drei kompletten Zuckerfabriken im Werte von 50 Mill. DM mit Chile abgeschlossen hat. So erfreulich die Tatsache eines seit dem Jahre 1950 ständig zunehmenden Handelsaustausches mit Chile an sich auch ist, so darf man andrerseits nicht vergessen, daß etwa 50 v. H unseres Chile Imports das Kupfer ausmacht. Wie lange wird Chile diese Exportquote noch aufrechterhalten? Die Frage erhebt sich angesichts der letzten politischen Ereignisse, denen bereits mehrere Streikwellen vorangingen, welie die Kupferförderung so nachteilig beeinflußt haben, daß selbst bei gesteigerter Erzeugung die vom Banco Central abgeschlossenen Verkäufe nicht realisiert werden können. Die Regierung hat kürzlich die Kupfer fördernden Gesellschaften ersucht, ihre Produktion für das erste Halbjahr 1955 auf 180000 t und bis zum Ende des Jahres auf 400 000 t zu erhöhen. Ob das unter den gegebenen Umständen möglich sein wird, erscheint zweifelhaft, und ebenso zweifelhaft ist damit eine erhoffte Verbesserung der chilenischen Devisenbilanz, von der letzten Endes die Honorierung der getätigten Abschlüsse auch mit uns abhängig ist.

Chile hat große Pläne, aber es sollte sich doch davor hüten, allzu kostspielige Projekte in Angriff zu nehmen. Man wird in der Bundesrepublik kaum willens sein, bis ins Uferlose auf Bezahlung der Lieferungen zu warten. Schon jetzt beschweren sich die Chilenen darüber, daß wir bei ihnen auf prompte Zahlung dringen (die sogar mehrfach in freien Dollars erfolgte), während wir Brasilien ia großzügigster Weise Kredite einräumten. Vielleicht wäre es günstiger für beide Partner, wenn an Stelle von langfristigen Investitionsobjekten künftig in größerem Umfang als bisher rasch umsatzfähige Konsumguter gehandelt werden würden, die durch innerpolitische Spannungen weniger in Mitleidenschaft gezogen sind. Heinz Hell