Von Horst Stellmann

Mit dem Aufsatz in der heutigen Ausgabe schließt unser Bericht eines deutschen Studenten, der in die russische Hauptstadt als privater Beobachter zu einer Tagung des Internationalen Studentenbundes (ISB) flog.

Die Buchläden zeigen in ihren Schaufenstern meist politische Literatur: Lenins und Stalins Werke, das "Kapital" von Karl Marx. Aus der Ostzone importiert waren Fachbücher und Noten, besonders Leipziger Breitkopf- und Härtel-Editionen. In einem Geschäft fand ich folgende Sammlung deutscher Bücher, die in der Sowjetunion gedruckt worden waren: Auszüge aus Lessings Werken, einzelne Heftchen für den Schulunterricht mit Märchen und kleinen Geschichten für die unteren Klassen, eine Broschüre "Ausgewählte Gedichte deutscher Dichter" (hier waren Eichendorff und Hölderlin nicht erwähnt, dafür aber Erich Weinert, J. R. Becher und selbst Karl Liebknecht), weiterhin gab es einen Sammelband "Schriftsteller des Demokratischen Deutschlands" sowie Einzelausgaben der Bücher von Anna Seghers (die auch in russischen Übersetzungen viel gelesen wird), Bredel, Becher und das Buch "Philipp Müller – Held der Nation". Die Preise der Bücher sind kaum höher als bei uns.

Die Moskauer kaufen in den großen Warenhäusern, deren größtes, das GUM, am Roten Platz liegt. Eine besondere Spezialität der Sowjetunion sind die Kinderkaufhäuser, in denen es nur Sachen für die Kleinen gibt, von der Kleidung bis hin zum Spielzeug. In den riesigen Kaufhäusern, wie im GUM, kann man nahezu alle Dinge des täglichen Bedarfs bekommen, auch Radio- und Fernsehapparate. Fernsehapparate scheinen in Moskau sehr verbreitet zu sein. Man sieht auf den Häusern ungefähr soviel Fernseh-Antennen wie bei uns UKW-Antennen. Die billigsten Fernsehgeräte kosten 1200 Rubel (zum Vergleich: ein Mantel kostet um 1000 Rubel, ebenso ein Anzug), haben aber nur einen sehr kleinen Bildschirm von etwa Postkartengroße. Um ein größeres Bild zu erhalten, stellt man vor den Schirm einfach eine große Lupe. Ein Fernsehgerät, das bei uns für 800 DM gehandelt wird, kostet dort ungefähr 3000 Rubel.

Die Läden haben übrigens sehr merkwürdige Geschäftszeiten: Die meisten sind von 11 bis 20 Uhr geöffnet; Lebensmittelgeschäfte teilweise sogar bis 24 Uhr. Man ist versucht, an den Münchener Streit um die Ladenschlußzeiten zu denken, wenn man sieht, daß in Moskau die Geschäfte nicht nur an Sonnabendnachmittagen, sondern sogar die ganzen Sonntage hindurch bis abends geöffnet sind. Dafür ist montags geschlossen.

Nicht lange vor unserer Ankunft in Moskau war die große Landwirtschaftsausstellung eröffnet worden. Auf einem weiten Gelände war mit großem Aufwand ein glänzender Ausstellungspark entstanden, mit Springbrunnen und Promenaden. Man konnte in den einzelnen Pavillons der verschiedenen Sowjetrepubliken verweilen. Sie waren alle auf das verschwenderischste mit Feldfrüchten, kitschigen Bildern und Schautafeln ausgestattet. Eine große Halle zeigte aber auch ausgezeichnete Feldmaschinen, vor allem gewaltige Mähdrescher. Bauern aus allen Teilen des Landes sahen wir hier –: aus Weißrußland, Usbekistan, den Tatarenrepubliken, Georgien. Die Schau war ein einziger Pomp.

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