In der Schweiz hat es kürzlich eine Auseinandersetzung darüber gegeben, daß einige der bekanntesten Eishockeyspieler offenbar die rechte Hand nicht wissen lassen, was die linke tat. Bei ihrem häufigen Vereinswechsel, der ja jeder Zeit infolge von Differenzen mit dem alten Klub oder Wohnortaufgabe und Berufsveränderungen möglich ist und gegen den an sich nichts einzuwenden wäre, wenn alles korrekt zuginge, scheinen diesmal aber noch andere gewichtigere Gründe maßgeblich gewesen zu sein, die allzusehr das Streben nach finanziellen Vorteilen verrieten. Nachdem die "Neue Zürcher Zeitung" zunächst einmal ein objektives Bild von den recht betrüblichen Vorgängen gegeben hatte, beide Parteien zu Worte kommen ließ und die Entscheidung über Recht oder Unrecht den zuständigen Sportverbänden zuschob, hat sie sich noch einmal eingehend mit dem ganzen Problem beschäftigt.

"Wie war es früher?" fragte die Zeitung und meint, daß vor kaum mehr als einem Dutzend Jahren, die Eishockeyleute aus purer Freude am Sport spielten, große Opfer an Zeit dafür brachten und auf so manches Vergnügen verzichteten, ganz abgesehen davon, daß sie sich auch finanziell erheblich belasteten. Damals wurde der Sport nicht dazu benutzt, um sich im Beruf Vorteile zu verschaffen.

Nun regen sich immer mehr Stimmen, die durch die Einführung eines mehr oder minder offenen Professionalismus das Leistungsniveau heben zu können glauben, und dagegen protestiert die "Neue Zürcher Zeitung" mit Recht. Sie läßt absichtlich die Zustände beim Profi-Boxen, beim Berufs-Radfahren und dem gewerbsmäßigen Freistilringen völlig außer Betracht, sie beschäftigt sich lediglich mit dem Eishockeysport und insbesondere mit den Zuständen in den Ländern, in denen das Berufs-Eishockey besonders floriert – also den USA und Kanada. Gewiß werden alle finanziell daran interessierten Kreise auf die glänzenden Einnahmen hinweisen, die in den Spielen der Professionalklubs erzielt werden, was aber ist dort aus dem Eishockey spiel gemacht worden? "Witz und Geist", so meint der Schweizer Fachmann, "wurden aus dem Spiel verbannt, dagegen Wucht und Schnelligkeit, vor allem aber die Härte dermaßen gesteigert, daß die Entartung zum Mankillertum’ eintrat. In der Art von Gladiatorenkämpfen wird einer sensationshungrigen Masse Eishockey demonstriert, das auf die amateurhaft orientierten Ligen übrigens bereits einen ungünstigen Einfluß ausgeübt und zu einem spielen rischen Niedergang im überseeischen Eishockey geführt hat." Zur Unterstreichung dieser Behauptung – wird dann weiter ausgeführt, daß es nicht von ungefähr kam, daß die kanadische Mannschaft beim letzten Stockholmer Weltmeisterschaftsturnier von den Russen, die weder schneller noch härter waren, nach allen Regeln der Kunst ausmanövriert wurde.

"Lieber auf ein Dutzend sogenannter Spitzenspieler verzichten, als den Wettlauf zum Berufs-Eishockeysport freigeben", so fordert die "Neue Zürcher Zeitung", "und wenn sich gewisse Auswüchse nicht mehr ,therapeutisch’ heilen lassen, wird man sie eben auf .operativem’ Weg beseitigen müssen."

Das ist ein klarer Standpunkt. Er gilt auch für uns, und nicht nur im Eishockey. Erfreulicherweise; hat erst kürzlich der Präsident des Deutschen Sportbundes ein ebenso eindeutiges Bekenntnis zum Amateursport abgelegt. W. F. Kleffel