st., Kiel

Der schleswig-holsteinische Binnenfischerverband wird im Laufe der nächsten Monate ein "Umsiedlungsexperiment" unternehmen, um in dem letzten deutschen Störfanggebiet wieder Kaviarproduzenten "anzusiedeln". Man will versuchen, die Donau-Störfauna (die aus anderen Störarten als der praktisch ausgestorbene Stör der deutschen Küsten besteht) in dem Küstenflüßchen Eider auszusetzen, um so den Fang des kostbarsten aller Fische wieder zu beleben. Zunächst sollen in diesem Jahr einige hundert 20 bis 25 cm lange Setzlinge des Sterlets, einer relativ kleinen bis ein Meter wachsenden Störart aus dem jugoslawischen Donaugebiet per Eisenbahnwaggon im sauerstoffbelüfteten Bassin nach Schleswig-Holstein importiert, markiert und in die Freiheit entlassen werden. "Bewähren" sich die Neuansiedler an der Nordseeküste, so will man in den nächsten Jahren noch andere Donaustörarten einführen, so den Sternhausen und den Waxdiek, die teilweise zu Riesenformen bis zu vier Meter Länge und vier Zentnern Gewicht heranwachsen.

Das Fischereiinstitut in Belgrad, dessen Direktor Ristic sich für die Versuche interessierte, hat sich bereit erklärt, die notwendigen Jungfische zu liefern. Die Tiere werden in den Karpfenimporten, die in diesem Winter wegen des schlechten Ausfalls der westdeutschen Karpfenernte besonders umfangreich aus Jugoslawien hereinkommen, mitgesandt werden. Man hofft, daß es gelingen wird, zur Verstärkung des Bestandes in den nächsten Jahren auch Sterlets in größerer Zahl einzuführen, da in Jugoslawien begonnen wurde, nach russischen Muster durch Hormoninjektion für die Störweibchen eine künstliche Erbrütung und Befruchtung vor- – zunehmen. In Jugoslawien und Deutschland scheiterte diese künstliche Befruchtung bis dahin daran, daß die Störweibchen in Gefangenschaft nicht laichreif wurden – was man jetzt über die Hormonbehandlung erreichen will.

Die künftige Heimat der Donauriesen (die teilweise größer werden als sämtliche Meeresfische vor den deutschen Küsten mit Ausnahme des Neueinwanderers Thun) beherbergte bis vor wenigen Jahren noch eine kleine Anzahl deutscher Störe, die zumindest zur Laichzeit regelmäßig in der Eider erschienen. Durch Flußregulierungen und Überfischung wurden diese Störe jedoch soweit dezimiert, daß sie sich nicht mehr vermehren können, da die letzten ein oder zwei Dutzend Exemplare nicht mehr "zueinanderkommen" zur Paarung. So ging der Ertrag des Störfangs auf drei oder vier Tiere jährlich und ein paar Dutzend Kilo des braunen feinkörnigen deutschen Kaviars in den letzten Jahren zurück (der dem schwarzen groben russischen Kaviar jedoch gleichwertig war). Nach der Einbürgerung der Donaustöre – bei denen es sich um die gleichen Arten handelt, die auch in der Wolga und dem Kaspischen Meer leben – werden auch die schleswig-holsteinischen Eiderfischer "echten" schwarzen russischen Kaviar aus ihren Gewässern ziehen.