War es zunächst und zuerst Adalbert Stifter, der nach 1945 als einsame Ausnahmeerscheinung gegen die Flut der "aktuellen" Literatur ausgespielt wurde, so ist jetzt der Stern eines anderen "Stillen", eines Vielgelesenen von ehedem, im Wiederaufsteigen begriffen. Im Auftrage der Braunschweiger Wissenschaftlichen Gesellschaft gibt Karl Hoppe das Gesamtwerk Wilhelm Raabes heraus:

Wilhelm Raabe. Sämtliche Werke. Braunschweiger Ausgabe. Verlagsanstalt Hermann Klemm, Freiburg und Braunschweig.

Geplant sind zwanzig Bände, von denen bisher vier vorliegen: Band 6 "Der Hungerpastor" (Bearbeiter Hermann Pongs); Band 8 "Der Schüdderump" (Bearbeiter Karl Hoppe) und Band 10 "Der Dräumling" und "Christoph Pechlin" (Bearbeiter Hans-Jürgen Meinem.) Die Leistung der Bearbeiter besteht außer der textkritischen Revision vor allem in umfangreichen entstehungsgeschichtlichen und bibliographischen Erläuterungen von äußerster wissenschaftlicher Akribie. Sie erschließen soviel auch rein biographisch Fesselndes, daß dem Leser die enge Verbindung zwischen Raabes dichterischer Arbeit und seiner allgemeinen geistigen Entwicklung auf eine bislang kaum ermöglichte Weise allgegenwärtig wird.

Bis heute nirgends gebotene Vollständigkeit ist auch einer der Vorzüge einer neuen Mörike-Ausgabe:

Eduard Mörike. Sämtliche Werke. Herausgegeben von Herbert G. Göpfert, Nachwort von Georg Britting. Carl Hanser-Verlag, München. 1464 Seiten, Dünndruck. Leinen 18,20 DM.

Dieser stattliche Band wird nicht nur alle Verehrer des Dichters erfreuen, sondern ihm womöglich noch neue "Interessenten" zuführen. Denn das gewohnte Vorstellungsbild Mörikes wird durch manche bisher unveröffentlichte Beiträge wenn zwar nicht verschoben, so doch immerhin um einige Züge ergänzt. Neben der Erweiterung des Gedichtteils um eine vermehrte "Nachlese" begegnet man hier nachgelassenen Erzählungsfragmenten, den liebenswürdig-satirischen "Wispeliaden", den dramatischen Versuchen, unbekannten Gelegenheitsschriften und den sämtlichen Übertragungen griechischer und lateinischer Dichtungen.

Einem Klassiker unserer Tage (so darf man wohl getrost sagen) dient der Sammelband: