dd., Wiesbaden

Pläne für einen Rhein-Main-Schnellweg von Rüdesheim am Rhein über Wiesbaden nach Frankfurt und Hanau wurden vor drei Wochen vom hessischen Wirtschaftsministerium bekanntgegeben und überraschend schnell in die Tat umgesetzt; Vermessungs- und Bauarbeiten haben bereits in diesen Tagen begonnen. Für den Straßenabschnitt bei Wiesbaden liegen feste Zusagen vor, nach denen der Bund, das Land und die Stadt je ein Drittel der Finanzierung übernehmen werden.

Ähnlich wie der Ruhr-Schnellweg soll diese neue Straße zur Hauptverkehrsader eines dicht besiedelten Industriegebietes werden, dessen Stadt- und Landgemeinden mehr und mehr zusammenwachsen. Rhein und Main zerschneiden dieses Gebiet in zwei ungleich besiedelte Hälften; die nördliche an den rechten Ufern des Rhein und Main mit dem Rheingau, Wiesbaden, den Gemeinden am Südhang des Taunus, dem Hauptteil von Frankfurt und der Industriestadt Hanau beherbergt rund eine Million Manschen, die an den linken Ufern der beiden Flüsse mit Ingelheim, Mainz, dem Industriedistrikt der Mainspitze, der Opelstadt Rüsselsheim, Frankfurt-Süd und Offenbach zählt nur 400 000 Einwohner. Die durchgehende Ost-West-Achse soll daher in die verkehrsreichere Nordhälfte des Gebietes gelegt werden. Eine nördliche Umgehungsstraße für Frankfurt, eine südliche für Wiesbaden, ein Ausbau der Verbindungsstraße zwischen beiden Städten und eine bessere Rheinuferstraße – diese vier Projekte ergeben bereits den neuen Schnellweg. Seine Bedeutung liegt aber nicht nur in der Neuordnung des innergebietlichen Verkehrs, sondern vor allem in der Ergänzung des Bundesstraßen- und Autobahnnetzes. Das Rhein-Main-Gebiet ist das zentrale Verkehrsgebiet der Bundesrepublik. Frankfurt ist für die Schienen- und Straßenverbindungen von Hamburg nach Basel, vom Ruhrgebiet nach Stuttgart-München und von Paris-Saarbrücken nach Leipzig-Berlin der Hauptknotenpunkt. Es liegt nahe, von dieser Mitte aus bequeme Zubringerstraßen in das Hinterland zu schaffen, das wegen seiner verkehrsgünstigen Lage und seiner landschaftlichen Schönheit als Treffpunkt und Tagungsort besonders beliebt ist: die Rhein- und Mainebene. In zwei bis drei Jahren wird der neue Schnellweg diesem Bedürfnis entsprechen.