Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die Weltwarenmärkte wiesen während der Berichtswoche bei der überwiegenden Anzahl der hier notierten Waren eine Festigungstendenz auf. Ausgelöst wurde diese Entwicklung durch eine Nachfragebelebung bei einem unveränderten bzw. teilweise zurückhaltenden Angebot. Die geringen Anlandungen während des Londoner Hafenarbeiterstreiks hatteneiner weitgehenden Räumung der begrenzten Lagerbestände geführt, so daß die Nachfrageseite gezwungen war, zur Deckung des dringendsten Bedarfs Käufe vorzunehmen. Die Angebotsseite versuchte ihrerseits diese Situation auszunutzen. Die sich bereits während der Vorwoche abzeichnende Preisfestigung bei Kaffee und Kakao hat sich in der Berichtswoche in verstärktem Umfang fortgesetzt. Auch hier dürften in erster Lilie die geräumten Lagerbestände die Ursache für die Nachfragebelebung gewesen sein, die durch verstärkte Kakaokäufe seitens der UdSSR einen weiteren Auftrieb erhielt.

Einen Überblick über die Preisentwicklung in der Woche vom 25. bis 29. Oktober vermittelt nachstehende Tabelle:

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei 12 die Tendenz leicht bis stark steigend und bei 6 leicht bis stark schwächer. Die Preise von 5 der notierten Waren, nämlich Aluminium, Blei, Kupfer, Zink und Zucker, waren konstant.

Getreide: Mit Ausnahme von Mais erhöhten sich während der Berichtswoche die nordamerikanischen Getreidenotierungen. Verschiedentlich Anschaffungen des Exporthandels, verbunden mit ungünstigen Meldungen über die Ernten in den großen Erzeugergebieten Kanada und Australien, verliehen den Märkten eine Stütze. – Frankreich, das im allgemeinen mit seinem Export erst im Oktober beginnt, soll bereits 400 000 t exportiert haben. In der Türkei wird infolge der Mißernte mit einem Importbedarf von rd. 600 000 t gerechnet, um die Versorgung während der Wintermonate, sicherzustellen. Mit 918,2 Mill. bu per 1. 10. wies Mais einen bisher noch nie erreichten Überhang auf, der sich auf die Preisentwicklung auswirkte.

Kupfer: In New York trat eine vorübergehende Entspannung der Versorgungslage durch die Freigabe von Kupfer aus regierungseigenen Beständen ein. Es wird, jedoch damit gerechnet, daß die Versorgungslage bis Ende des Jahres angespannt bleiben wird; denn erst dann dürften die Folgen des Streiks überwunden und die normale Produktionshöhe wieder erreicht sein. Ein zusätzliches Moment für die Anspannung der Versorgungslage dürfte die geringe Bevorratung der Verarbeiter sein und ferner die Tatsache, daß der US-amerikanische September-Verbrauch in Höhe von 100 454 sht 3488 sht über dem August-Verbrauch lag und seit Oktober 1953 den höchsten Stand erreichte. Um die Angebotslage zu verbessern, beabsichtigt Chile die Erzeugung zu erhöhen. Der chilenische? Bergbauminister bestätigte die Nachricht, daß die Braden Copper Company in der vorigen Woche zur Siebentagewoche übergegangen ist. Außerdem sollen in bestimmten chilenischen Bergwerken zusätzliche Arbeitskräfte eingesetzt werden. – Die Festigung der Kupfernotierungen in London wurde durch eine bessere Nachfrage im Hinblick auf den angedrohten Streik in Nordrhodesien verursacht. Die kontinentaleuropäischen Verarbeiter zeigten dagegen zum Wochenschluß nur eine geringe Kauflust, da infolge des Dockarbeiterstreiks umgeleitetes Kupfer auf dem Kontinent zu niedrigeren Preisen verkauft worden sein soll. Tendenzstützend wirkte sich außerdem der Londoner Dockarbeiterstreik aus. Die Bestände an Raffinade-Kupfer in den lizenzierten Lagerhäusern der Londoner Kupferbörse sind weiterhin gesunken und betrugen am 23. 10. nur noch 868 lgt. während ein Bestand von 3000 bis 4000 lgt als normal anzusehen ist.

Zinn: Bei diesem Metall hielt die leichte Schwächeneigung an. Der New Yorker Terminmarkt blieb während der Berichtswoche z. T. umsatzlos. In London war im allgemeinen die Nachfrage ruhig, und die Bestände übten zeitweilig einen Druck auf den Markt aus. Im allgemeinen bot jedoch die feste Tendenz in Singapur dem Londoner Markt eine Stütze. Trotz der seit kurzem leicht rückläufigen Tendenz waren die Zinnpreise in der letzten Zeit stabil. Langfristig gesehen hat Zinn seit Juli vorigen Jahres eine tändige und nur von relativ wenigen starken Preisausschlägen gekennzeichnete Festigung durchgemacht. Abgesehen von einem kräftigen Preisanstieg infolge der Zuspitzung des Indochina-Konfliktes im Frühjahr d. J. trat seit Juli 1953, als der Zinnpreis bei etwa 580 £ lag, eine stetige Aufwärtsentwicklung ein, und der Preis spielte sich auf etwa 730 £/lgt ein. Hierin dürfte der Einfluß des Zinnabkommens zu erkennen sein, an das die Hoffnung auf ein gutes Funktionieren geknüpft wird. Diese stabile Preisentwicklung blieb nicht ohne Rückwirkung auf die Produktionsländer. Vor allem in Malaya wurde die Produktion erhöht und einige auf Grund des Preisrückganges geschlossene Bergwerke wieder in Betrieb genommen. Im 2. Quartal 1954 betrug die malaiische Produktion 13 600 Igt, im 1. Quartal 1953 12 673 Igt.