F. R. S., Bern im November

Die Urproduktion ist der einzige Wirtschaftszweig der Schweiz, der kraft Verfassungsrechts dem freien Marktgeschehen entzogen ist. Die Agrarprotektion setzte bereits Mitte der achtziger Jahre ein und wurde seither stark ausgebaut. Dabei ist eine klare Unterscheidung zwischen Staat? licher, halbstaatlicher und beruflich bestimmter Agrarpolitik angesichts der engen Verflechtung zwischen dem mächtigen Bauernverband, den landwirtschaftlichen Genossenschaften und der Abteilung für Landwirtschaft des Volkswirtschaftsdepartements heute kaum noch möglich. Unbestritten ist nur das Ziel dieser Agrarpolitik, die "Erhaltung des Nährstandes"...

Von zuständiger Seite wurde errechnet, daß zur nahezu autarken Ernährung der Bevölkerung ein offenes Ackerland von mindestens 500 000 ha erforderlich wäre (Futteranbau nicht inbegriffen). Die Schutzbestimmungen zugunsten der Landwirtschaft laufen darauf hinaus, diese Ackerfläche wenigstens nicht unter 300 000 ha sinken zu lassen. Hauptinstrument der Agrarhilfe ist gegenwärtig weniger der Schutzzoll als die Einfuhrsperre bzw. Einfuhrkontingentierung, dank welcher jegliche Konkurrenz ausgeschaltet wird. Da der daraus entstehende geschlossene Markt als ausgesprochener "Verkäufermarkt" preisliche und qualitative Nachteile hat, ist die offizielle Agrarpolitik stets Gegenstand der Kritik namentlich städtischer Konsumentenvertreter.

Als Folge der guten Konjunktur und des Bevölkerungszuwachses, nicht zuletzt aber auch gerade wegen der unbefristeten Garantie staatlicher Schutzmaßnahmen, ist der schweizerische Ackerboden zum teuersten der Welt geworden. Da außerdem, im Vergleich zu anderen Ländern, viel Kapital im unproduktiven Wohnraum investiert und der Hypothekenzinsfuß im Gegensatz zum Niveau der allgemeinen Zinsrate nicht merklich gesunken ist, kann von einer Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Bauern nicht die Rede sein. Die Landflucht hat ein bedenkliches Ausmaß erreicht.

Man versucht, dieser Entwicklung durch Güterzusammenlegungen, Ameliorationen, Anbauprämien und Höchstpreisvorschriften Einhalt zu gebieten, scheitert aber teilweise am Widerstand der Landwirte, selber, die wohl die Vorteile der staatlichen Agrarhilfe akzeptieren, die Konsequenzen aber – Kontrollmaßnahmen, Reglementierungen und Produktionsvorschriften – wenig schätzen.