h. e., Stuttgart

Nicht etwa der Titel eines Bestsellers ist "Das Tal der Tränen", sondern eine Ortsbezeichnung, die auf eine durchaus unverkäufliche Sache zurückgeht. So nennt man jetzt nämlich das Buchenbachtal im Kreis Backnang, wo drei- bis vierhundert Holzfässer gelagert sind, deren Inhalt bei Sonnenschein verdampft und den Erntearbeitern, den Holzfällern und den erholungsuchenden Spaziergängern das Wasser in die Augen treibt.

Ein schlauer Altwarenhändler in Mannheim hatte diese Fässer vor der Währungsreform erworben. Im Verlauf des Koreakrieges hoffte er, sie günstig zu verkaufen; denn sie enthalten Tränengassalze, anscheinend aus den Beständen der Wehrmacht. Er verkaufte sie nicht, sondern machte Konkurs, und die Fässer lagerten in der Ortschaft Buchenbach, wo die Bewohner nur mehr an Regentagen die Fenster zu öffnen wagten. 1951 veranlaßte das Landratsamt die Verlagerung der morschen Fässer ins nahe Buchenbachtal, wo sie friedlich weitermorschen. Auch alle Selbsthilfeversuche der Bevölkerung scheiterten an der bösartigen Materie: die Salze brannten nicht, und als man sie in den Bach versenkte, starben die Fische.

Niemand will mit dieser gasförmigen Konkursmasse etwas zu schaffen haben; sogar die Tiere des Waldes meiden die Gegend und suchen sich, sehr zum Leidwesen des Revierförsters, neue Futterplätze. Da die entweichenden Dämpfe nicht giftig sind, versagt auch der Hinweis auf eine etwaige Gefährdung der Öffentlichkeit. Nun aber haben sich die Bayerwerke in Leverkusen bereit erklärt, Untersuchungen darüber anzustellen, ob man diese Salze – es soll sich um Chloracetophenon handeln – nicht doch noch einem friedlichen Zwecke zuführen kann. Das wäre – nach all den Tränen – beinahe ein Heiterkeitserfolg.