Zur Entstehungsgeschichte meines Romans "Der Tod in Rom" ist wenig zu sagen. Ich war in Rom, und der Roman fiel mir dort ein. Ich war nach Rom gereist, um an einem anderen Buch zu arbeiten. "Der Tod in Rom" verdrängte das andere Buch.

Durch Rom ging ein Gespenst – die ermordete Wilma Montesi. Meine Geschichte hat mit dem Montesi-Fall nichts zu tun. Aber die Luft in Rom war gerade sehr geeignet für Gespenster.

Die Zeitchriften brachten wieder Bilder von Mussolini. Sein geheimer Briefwechsel mit Churchill wurde veröffentlicht und erregte die Römer. Beinahe hätte der Krieg für Italien nicht stattgefunden.

Die Zeitschrift Il Mondo brachte einen Leitartikel von Thomas Mann. Der Artikel war sehr klug und handelte von der Freiheit. Im selben Blatt war eine Photographie aus den Tagen der Liberation: Eine italienische Landarbeiterfamilie steht vor ihrer Hütte und begrüßt den ersten Americano. Die dicke Familienmutter zieht den Soldaten schluchzend an ihre Brust. Der Boy aus USA grinst verlegen wie ein junger Gatte in den Flitterwochen.

Ich sah an meiner Straße arme und reiche Italiener. Ich sah arme und reiche Ausländer. Wer arm war, ist auch nach der Befreiung arm geblieben.

In den Buchhandlungen Roms kennt man zwei deutsche Autoren: Johann Wolfgang von Goethe und Ernst von Salomon.

Ernst von Solomons Buch "Io resto Prussiano" lag überall an hervorragender Stelle. Ernst von Salomon blieb Preuße. Was bleibe ich, fragte ich mich. Römer? Das konnte nicht sein. Deutscher? Das sollte selbstverständlich sein. Aber dann sah ich an einer sehr berühmten Sehenswürdigkeit viele Reisegesellschaften vorübergehen, und das komplizierte wieder die Frage.

So regte mich vieles an; und ich nahm mir die Freiheit, auch meinerseits noch einige Gespenster in Rom anzusiedeln.