o. f., Lüneburg

Wenn Lüneburg 1956 seinen tausendsten Geburtstag feiern wird, soll ein Kulturfilm, den Regisseur Kurt Stefan vom Delmenhorster Kultur- und Lehrfilminstitut jetzt zu drehen beginnt, seine mittelalterlichen Schönheiten und Besonderheiten festgehalten haben. Wie Stefan jedoch einschränkte, wird dieser umfassende Film eine "Seltenheit" der alten Salzmetropole nicht zeigen: das vormittelalterliche Kübelsystem. Was die Fließend-heiß-Wasser-Touristen aus Amerika nicht sehen, sind nämlich jene 3200 Abortkübel, die für rund 35 000 Menschen – mehr als die Hälfte der Einwohner Lüneburgs, das WC ersetzen müssen.

Die Stadtverwaltung teilt dazu mit, daß zwar ein Kanalisationsnetz vorhanden sei, die Verbindung von der Straße zum Anlieger aber von den Hausbesitzern finanziert werden müsse. Um die Abschaffung der jetzigen, allzu unhygienischen Einrichtung voranzutreiben, gibt die Stadt Kredite, die im vergangenen Jahr von nur 80 Anliegern in Anspruch genommen wurden. Betrachtet man diese Zahl als Durchschnitt, so ist zu errechnen, daß erst in 40 Jahren das Kübelsystem der Vergangenheit angehören dürfte. Vorerst einmal werden die Kübel weiterhin wöchentlich von der städtischen Reinigungsanstalt gewechselt.