Um etwa 13 Quadratkilometer wuchs der westdeutsche "Lebensraum" in den vergangenen Wochen, nachdem die letzte Lücke des ersten nach dem Kriege gebauten Landgewinnungsdeiches an der Südseite des Hindenburgdammes nach Sylt geschlossen und durch Sandspülung gesichert wurde. Noch Ende Oktober strömten täglich ein paar Millionen Kubikmeter salzigen Nordseewassers in den noch unbenannten Koog. Heute spült nur ein See über den nackten Schlick, der schon in ein paar Jahren Bauernhöfe tragen soll. Etwa 60 Siedlungen sollen auf diesem mit einem Aufwand von über zehn Millionen DM eingedeichten Stück Neuland entstehen.

Damit wurde zum ersten Male ein Koog gewonnen, der nicht vom Meer schon bis über die normale Hochwasserhöhe aufgeschlickt war, sondern bis fast einen Meter unter dem Wasserspiegel zur Hochwasserzeit liegt. Die Ingenieurarbeiten wurden durch großzügigen Einsatz von Baggern, Maschinen, Spülbaggern zum Aufspülen eines Deiches aus Sand mit "Kleierde" nicht nur rationell (man brauchte diesmal nur 1000 Arbeiter für eine Leistung, die früher 2500, 3000 oder 4000 Mann beanspruchte), sondern auch schnell durchgeführt. Erst im Frühjahr 1954 wurde begonnen. Die Arbeit wurde zu einem Wettlauf mit der Jahreszeit und dem Regensturmjahr. Allein im September erlebte die Nordseeküste am Hindenburgdamm sechs Sturmfluten, während nach den Vorplanungsakten in den 25 vorhergehenden Septembern seit 1929 insgesamt nur etwa zehn derart hohe Fluten eingetreten waren.