Zwei Werke (eins aus Köln, eins aus Hamburg), die die Situation der Deutschen hinter dem Eisernen Vorhang zum Grundstoff hatten, enthielt das Hörspielprogramm der letzten Berichtszeit. Nichts ist schwerer, als da das richtige Maß zu finden: hier galt es nicht nur, die Hörer des speziellen eigenen Sendebereichs "anzusprechen", sondern auch die zwischen Elbe und Oder. Wie mögen diese Jürgen Gütts großartig ersonnenes Funkdrama "Ströme sterben nicht" von dem Geistlichen aufgenommen haben, der in eine Gemeinde von Fischern am östlichen Oderufer versetzt wird, dort den Einflüsterungen eines satanischen Agenten und den gotteslästernden Vorwürfen seiner Pfarrkinder ausgesetzt wird, sich zur Größe eines heroischen Opfers aufredet, indem er Sonntags beim Gebet von der Kanzel die politische Wiedervereinigung der beiden Oderufer erfleht, und damit seine ganze Gemeinde zu einem stellvertretenden Märtyrertod begeistert? Es ist zu fürchten, daß die Geschichte die Hörer der Sowjetzone als allzu verstiegen anmutete – aber noch mehr werden sie wahrscheinlich bei Claus Hubaleks derbem Scherzspiel vom "Ost-westlichen Diwan" gefunden haben, daß man die anzügliche Lebensgeschichte einer Doppelbett-Couch auch dann nicht mit der beklemmenden Tatsache der Spaltung Deutschlands zu einer "Tragikomödie" verquicken sollte, wenn man am Ende einen Vopowachtmeister und einen Beamten der Stumm-Polizei auf einen Friedhof an der Berliner Sektorengrenze die durchnäßte Couch vertikal zersägen läßt. Sicher werden sie finden, daß ihre Situation weder Anlaß zu pomphaftem Mysterienspiel noch zur Bagatellisierung in einer Burleske sein sollte.

Wir werden sehen:

Mittwoch, 17. November, 21.10 Uhr:

Günther Rennens erste Fernsehregie. Der Hamburger Opernintendant inszeniert in einem Bild von Alfred Siercke die deutsche Fassung von William Saroyans Fernsehspiel "Zwei oder drei Ehen".

Freitag, 12. November, 20.20: Aus Berlin eine Aufführung von Jean Anouilhs "Leocadia"mit Hermine Körner in der Hauptrolle.

Wir werden hören:

Donnerstag, 11. November, 20.00 Uhr vom Südwestfunk: