Kaum war die Trauerbotschaft vom Tode des Bundestagspräsidenten verklungen, da erreichte uns eine neue Nachricht: Gustav Dahrendorf‚ oberster Lenker der größten deutschen Verbraucherorganisation, ist gestorben, und am vergangenen Sonntagmorgen verschied völlig unerwartet an einem Herzschlag Töpfermeister Richard Uhlemeyer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Beide Männer waren Menschen, die ihre Handlungsweise von hohen Moralbegriffen haben leiten lassen. Beide wurden sie in den Erntejahren des Lebens abberufen. Was aber darüber hinaus das Erschütternde ist: hier brachen Männer unter der Bürde der Ehren- und Nebenämter zusammen, und sie werden nicht die letzten Mitbürger sein, denen dieses Schicksal beschieden sein wird. Wenn wir wie bisher fortfahren, die heute etwa Fünfzigjährigen mit einer Last ehrenvoller Voten zu überladen, so kann der Tag errechnet werden, an dem wir diese so dünn gesäte Generation, die im ersten wie im zweiten Weltkrieg einen hohen Blutzoll entrichten mußte, dezimiert haben werden...

In unserer Wirtschaft grassiert der Managertod. Es tut not, die heute zweite und dritte Garnitur der Jüngeren aus dem Schatten der Giganten mit den vielen Würden und Bürden mehr hervortreten zu lassen und sie schon heute auf die künftigen Aufgaben vorzubereiten, indem man ihnen zur Bewährung einen Teil der vielen Mandate und Ehrenämter der Prominenz überläßt – nicht zuletzt auch im Interesse einer kontinuierlichen Weiterentwicklung unseres demokratischen Lebens, dem die Zusammenballung der Funktionen in wenigen Händen nicht förderlich ist. M.