Biographien offenbaren oft mehr vom Wesen des Autors, als von dem, dessen Leben ihm als Motiv seiner Bemühungen dient. Letzteres gilt für eine Biographie des Ölmagnaten John D. Rockefeller: Pierre La Mure: König der Nacht Christian Wegner Verlag. 188 Seiten. 7,80 DM.

Der Verfasser, in den USA beheimateter Franzose, wurde bekannt durch seinen Bestseller-Roman über das Leben des Malers Toulouse-Lautrec. Auch in der Rockefeller-Biographie, die früher geschrieben wurde, tut man gut, den Akzent auf das Wort "Roman" zu legen im Sinne einer sehr individuellen Vermengung von Wahrheit und Phantasie, welche den biographischen Wert stark beeinträchtigt, ohne dafür Anspruch auf einen guten Roman erheben zu können. Schon der Titel "König der Nacht" – Rockefellers Petroleum schenkte der Menschheit die Petroleumlampe – schmeckt nach Magazinstory. Unterhaltsam und spannend mehr ist denn auch diese sich sehr an der Oberfläche bewegende Lebensgeschichte kaum, in der viel Gewicht auf die Skandalchronik und weniger auf die psychologischen Hintergründe im Wesen Rockefellers gelegt wird, die schon einer tieferen Analyse wert gewesen wären.

Benjamin Franklin: Autobiographie. F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung, Berlin-Grunewald. 335 Seiten. 12,50 DM.

Franklin deckt nicht nur sein Leben und die Beweggründe seines Handelns bis in die intimsten Seelenregungen auf, er vermittelt zugleich dem Leser einen niemals retouchierten Eindruck vom kolonialen Nordamerika des 18. Jahrhunderts, am Wendepunkt zur Selbständigkeit Erst am Spätabend seines reichen Lebens, das überwiegend geistig orientiert war, findet er Zeit zu dieser Niederschrift, die ein Fragment blieb und kaum die Hälfte seines Wirkens umfaßt. Immerhin enthält sie Wesentliches, den Werdegang des aus ärmlichen Verhältnissen stammenden, Jungen Schriftsetzers und Druckers bis zum anerkannten Autor, angesehenen Bürger und werdenden Staatsmann, der schließlich zum Idol seiner Epoche wurde. Liest man diese Zeitchronik des kaum noch zivilisierten, jedoch von allen Zeitströmungen miterfaßten Nordamerikas, dann begreift man besser seinen raschen Aufstieg. Man begreift auch, daß die Gründe dafür nicht im robusten Zupacken allein, zu suchen sind. Ohne eine Handvoll Männer, die immer Geist und Materie in des rechte Verhältnis zueinander brachten, wäre Nordamerika niemals ‚das Land der Zukunft" geworden, Benjamin Franklin steht an ihrer Spitze. Der fragmentarischen Autobiographie widmet Peter de Mendelssohn ein kluges und dem Leben Franklins, gerecht werdendes Nachwort,

Die "Memoiren des Aga Khan", Verlag Kurt Desch, Wien-München-Basel. 448 Seiten. 18,50 DM.

Für Aga Khans Popularität sorgten bisher die Illustrierten und die mondänen Zeitschriften, denen sein Auftreten in der Öffentlichkeit mancherlei. Stoff bot. Aber die Frage nach dem Sinn seiner Autobiographie beantwortet sich bald schon positiv beim Lesen dieser Erinnerungen das fast achtzigjährigen indischen Fürsten, über der im Vorwort der britische Schriftsteller W. Somerset Maugham urteilt: "Ein großer Mensch schrieb ein großes, politisches Dokument." Selbst wenn man freundschaftliche Gefühle dabei mit in Rechnung stellt. kann man Somerset Maugham kaum widersprechen, was das Dokumentarische angeht. Daß Aga Khan anschaulich zu schildern weiß, was er in seiner Stellung als weltlicher Herrscher, als Oberhaupt einer weitverbreiteten Sekte, als fashionabler Reisender, als Ästhet und Genießer aller weltlichen Freuden, als Diplomat und Geschäftsmann großen Stlle erlebt hat, rechtfertigt allein noch nicht das ihm gezollte Lob, Wesentlicher sind die eingeflochtenen klugen Betrachtungen, die Gespräche mit berühmten Zeitgenossen von der legendären Queen Viktoria über Richard Strauß, Marcel Proust, Stresemann, Hitler bis zu Charlie Chaplin, mit dem er über Kommunismus und den Widersinn des Krieges plauderte. Aga Khan ist ein Lebenskünstler, der sein riesiges Vermögen richtig anzuwenden wußte: er machte sein Leben zu einem Kunstwerk, Daß hierzu neben Geld auch eine beträchtliche Dosis Intelligenz notwendig war, beweist sein Buch, das fern allen literarischen Ambitionen und wirklicher Tiefe allen Erfordernissen eines Bestsellers von heute gerecht wird.

Räumlich wie seitlich enger gespannt ist ein Memoirenbuch von