y., Seebad Zinnowitz

Der Sommer ist längst vorbei. Aber die Bewohner von Zinnowitz lachen heute noch, wenn sie an den Besuch der Delegation aus der Volksrepublik China in den pommerschen Seebädern denken.

Damals, nach dem Weiterflug des chinesischen Ministerpräsidenten nach Warschau und Moskau, besuchte die Delegation aus dem Reich der Mitte zuerst das Seebad Zinnowitz, wo die Gäste im "Otto-Schmirgal-Heim" für die schaffende Intelligenz einquartiert wurden. Hauptattraktion bildete eine Mondscheinfahrt auf dem Zinnowitzer Achterwasser, bei der die Schiffe mit orientalischen Lampions geschmückt waren und die überaus höflichen chinesischen Damen Musik ihrer Heimat machten. Anschließend feierte man im Volkshaus "Glückauf", das sonst den Urlaubern aus dem Wismut-Gebiet zur Verfügung steht (Zinnowitz ist eines der Bäder, in die vornehmlich Wismut-Kumpel vermittelt werden). Hier gab es eine Panne: die Genossen aus Peking weigerten sich standhaft, starke alkoholische Getränke zu sich zu nehmen. Man sah am Schluß nüchterne chinesische Gäste, die mit unbewegten Gesichtern ihren betrunkenen Gastgebern erfrischende Mittel anboten.

Am kommenden Tag fuhren die Chinesen mit Motorbooten nach Heringsdorf, wo sie im "Kurhaus Kaiserhof Atlantik" abstiegen (heute "Erholungszentrum Solidarität"). Zum Kummer der Funktionäre benutzten sie jedoch die für ihre Badezeit vorsorglich errichteten Sandburgen nicht, sondern erholten sich beim Segeln. Das wiederum hatte den Einsatz von Schnellbooten der "Seepolizei" zur Folge, die für die Sicherheit der Gäste auf dem Wasser zu sorgen hatten. Bedauerlicherweise war man auch darin wieder zu hitzig, so daß bei einem gewagten Manöver ein Segler gerammt und die Insassen in die Ostsee geschleudert wurden. Zum Glück hatte das für die unfreiwillig Badenden keine bösen Folgen.

Sichtlich "beeindruckt" besuchten die Chinesen noch die Verwaltungsschule "Kurt Bürger" in Ahlbeck (Dünenstraße 41), das Ahlbecker FDGB-Heim "Philipp Müller" und das Funktionärs-Domizil "Waldesluft" in Koserow. Bei diesen Fahrten benutzten sie wieder ihre Autos und verzichteten auf weitere Motorboot- und Segelfahrten. Zum Schluß fuhren sie noch einmal nach Heringsdorf, wo sie im Gedenkhaus an Maxim Gorki (der Dichter weilte hier einmal im Jahre 1922) Kränze niederlegten. Auf den vorgesehenen Besuch Rügens verzichteten die gelben Gäste.