DIE ZEIT

Ein Dilemma der CDU

Der neue Bundestagspräsident muß nach parlamentarischer Übung der größten Fraktion des Bundestages angehören. Also wird die CDU-Fraktion den Nachfolger des in evangelischen (kirchlichen wie liberalen) Kreisen besonders angesehenen Dr.

Nicht Neurath allein

Daß die Sowjetische Regierung den überraschenden Vorschlag, Freiherrn Konstantin von Neurath aus Spandau zu entlassen, aus politischer Berechnung tat, kann die Genugtuung über den Sieg der Menschlichkeit nicht trüben.

Die Geschichte vom Soldaten

Ich kann doch jetzt keine Hundertschaft Polizei anfordern", rief der Kölner Bahnhofsbuchhändler Ludwig, als sein Mittwoch-Gespräch über das Thema "Wehrdienst" im Tumult der Diskussion und im Lärm einlaßbegehrender Jugendlicher vor dem verschlossenen Warteraum im Kölner Hauptbahnhof unterzugehen drohte.

Hexeneinmaleins der Finanzbehörde

Der Fall des Textilkaufmannes Högemann, der in Konkurs gegangen ist, nachdem das Finanzamt Wilhelmshaven auf einer Gläubigerversammlung falsche Angaben über die Höhe seiner Umsatzsteuerschuld gemacht hatte, wird vom Finanzpräsidenten in Oldenburg mit Recht als ein überaus wichtiger, weil prinzipieller Fall angesehen.

Vertagte Krise

Die außenpolitische Parlamentsdebatte, von der ein plötzliches Aufbrechen der seit einigen Wochen schwelenden Bonner Koalitionskrise befürchtet werden mußte, wird zunächst nicht stattfinden.

Was sonst noch geschah

Der japanische Ministerpräsident Joschida, der sich seit einigen Tagen zu einem offiziellen Besuch in den Vereinigten Staaten aufhält, regte in einer Ansprache vor dem amerikanischen Presseklub in Washington ein Auslandshilfsprogramm für die freien Völker Asiens nach Art des Marshallplanes an.

Jüngster Ministerpräsident

Kai Uwe von Hassel ist mit 41 Jahren der jüngste Ministerpräsident in der Bundesrepublik. Es gibt Leute, die ihm das gewissermaßen übelnehmen; sie meinen, er sei zu jung für ein so hohes Amt.

Was die Saarländer sagen

Um die Stimmung der Saarbevölkerung hinsichtlich des neuen Abkommens zu erkunden, haben wir unseren Korrespondenten Heinrich David ins Saargebiet geschickt.

ZEITSPIEGEL

Die Gewerkschaftszeitung "Welt der Arbeit" hat zum kürzlichen Frankfurter DGB-Kongreß ohne Nennung eines Anzeigenden ein großes Inserat mit folgendem Text veröffentlicht: "Hessen – das Land im Herzen Deutschlands – mit alter Kultur und moderner Wirtschaft – mit einer sozial aufgeschlossenen Bevölkerung ist und bleibt ein starker Hort rechtlichen Denkens und demokratischer Gesinnung.

Notstandsrecht und Oberbefehl

Die Frage des Notstandsrechts, das nach den Pariser Vereinbarungen in das Grundgesetz eingebaut werden soll, um einen Verzicht der Besatzungsmächte auf ihre jetzigen Notstandsbefugnisse zu ermöglichen, ist eine Frage von sehr hoher politischer Bedeutung, auch wenn die Sachverständigen des Auswärtigen Amtes auf dem Standpunkt stehen, daß es sich nur um die Rechtsgrundlage zu Maßnahmen handele, die auf Grund eines etwaigen Angriffs oder einer Bedrohung von außen notwendig werden könnten.

Bonn diskutiert das Schulchaos

Schuldebatten werden im Bundestag nur selten geführt. Für Schulfragen sind bekanntlich die Länder zuständig, und es gibt Föderalisten, die schon nervös werden, nicht etwa, wenn durch neue Schultypen oder Lehrpläne der Schulwirrwarr vergrößert wird, sondern wenn Bonn, das unzuständige, über solche Mißstände spricht.

Ostkunde

Nur zum Teil erfüllte die Ständige Konferenz der westdeutschen Kultusminister die Wünsche des Bundesvertriebenenministers Professor Oberländer.

"Anschlußgefahr"

Die österreichische Bevölkerung hat mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, daß die in der Bundesrepublik lebenden Österreicher auch die deutsche Staatsbürgerschaft besäßen.

Mr. Sam in Schlüsselstellung

Die Wahlen vom 2. November zum 84. Kongreß der Vereinigten Staaten erreichten mit mehr als 43 Millionen Wählern die bisher höchste Beteiligung an einer "Zwischenwahl", die zwischen den Präsidentschaftswahlen stattfindet.

Japaner sehen China

Eine Delegation japanischer Parlamentarier war jetzt in China, kaum sechs Wochen nach der Abordnung der Labour-Party, und hat wie diese ihre Eindrücke publiziert.

Freiheitsträume abgeblasen

Die "ideologischen Verirrungen" des Ilja Ehrenburg und einer Anzahl anderer prominenter Schriftsteller und Literaturkritiker der Sowjetunion bildeten den Hauptpunkt des "Zweiten Kongresses der Schriftsteller der Sowjetunion".

Kreuze über dem Meer

Wenn man, von der Schafthöhe des italienischen Stiefels kommend, durch die geheimnisvolle und waldreiche Sila bis tief nach Kalabrien hinunterfährt, dort, wo der Aspromonto sich gewaltig vor dem Tyrrhenischen Meer aufwirft, das Grün seiner Wälder mit dem Blau der Fluten vergleichend, wird man, zwischen Scylla und Charybdis, jenem alten Abenteurer wieder begegnen, der Odysseus heißt.

Das tönende Elektron

Die in Köln tagende Gesellschaft für Musikforschung beschäftigte sich mit dem Phänomen der elektronischen Musik. Der NWDR Köln hatte seine Experten und seine Apparaturen zur Verfügung gestellt, um den Gelehrten ein authentisches Bild vom Stand dieser Entwicklung zu vermitteln.

Nobelpreise der Physik

Den diesjährigen Nobelpreis für Physik hat die Schwedische Akademie der Wissenschaften zu gleichen Teilen an die beiden deutschen Gelehrten Professor Dr.

Romantik blieb in Deutschland

Ausländische Auftraggeber ließen sich bei der letzten Auktion von Hauswedell durch deutsche Händler vertreten. Als es aber um den Erwerb von Manuskriptteilen und Aufzeichnungen zum "Heinrich von Ofterdingen" des Novalis ging und dann um Manuskripte, Briefe und Gedichtentwürfe von Ludwig Tieck, da sorgte Professor Ernst Beutler, der Direktor des Freien Deutschen Hochstifts in Frankfurt a.

Albert, der "außerordentliche"

E. A. Greeven hat sich vor dem zweiten Weltkrieg als Autor von Romanen, Novellen und Komödien einen Namen gemacht. Am meisten bekannt wurde sein Lustspiel "Leicht bewölkt bis heiter" (Uraufführung 1937) und sein Novellenband "Ein Amulett wandert" (1940).

Der Kurzgeschichtenpreis:: Ein Augenblick der Liebe

Der junge Österreicher Herbert Eisenreich errang in Deutschland seinem 1953 erschienenen Roman "Auch in ihrer Sünde" (im Marion von Schröder Verlag, Hamburg) einen literarischen Erfolg.

Preisrichterbedingungen:

Jeder Leser kann sich als Preisrichter an unserem Kurzgeschichten-Preis beteiligen. Voraussetzung ist, daß er alle 16 durch die Vorprüfung der Redaktion veröffentlichten Kurzgeschichten in den Nummern 43 vom 28.

Der letzte Kaiser

Wir haben uns abgewöhnt, geschichtliche Größe daran zu messen, ob einer erreicht hat, was er wollte. Die Erfolgreichen dürfen nicht mehr Bewunderung verlangen als die Gescheiterten–vorausgesetzt nur, daß ihr Scheitern tragisch war.

Mostars private Weltgeschichte

Wie privat sich Mostar über die Weltgeschichte hermacht, ersieht man daraus, daß bei ihm nicht etwa philosophische Ideen oder ökonomische Prinzipien Geschichte schaffen, sondern – Liebe und Klatsch.

Frank Thiess war anderer Meinung

Unter den von Gerhart Hauptmann unvollendet hinterlassenen Arbeiten befand sich das Bruchstück einer Winckelmann-Erzählung, die Leben und Schicksal jenes großen Geistes deutet, der den Deutschen die griechische Antike offenbarte und damit eine Bewegung einleitete, die in den Werken der deutschen Klassik gipfelte.

Wiederbewaffnung

Ein auf dem Kasernenhof erprobter Unteroffizier ächzte: "Eine Affenschande! Da hat man die Kerls auf Draht gebracht, und an der Front verludern die Burschen!" – Ein Bataillon, das in der vorderen Linie lag, weigerte sich, abgelöst zu Verden: "Sind wir erst hinten, werden wir bloß gedrillt!" – Zwei Flieger erhielten hohe Auszeichnungen und die Erlaubnis, in einem Etappenstädtchen ihre Orden zu feiern ein Offizier, ein Unteroffizier.

Der Katzengott

Der Autor, dessen französisch geschriebenes Buches zuerst in der vorzüglichen deutschen Übersetzung von Maria Honeit erscheint, nennt es einen Roman.

Im Spiegel der Persönlichkeit

Biographien offenbaren oft mehr vom Wesen des Autors, als von dem, dessen Leben ihm als Motiv seiner Bemühungen dient. Letzteres gilt für eine Biographie des Ölmagnaten John D.

Die Freiheit ist nicht bedroht

Es ist kaum ein Jahrzehnt her, da Vererbung und Rasse alles, geistige Formung und bewußt geleitete Entwicklung der Individualität wenig oder gar nichts galten.

Schleswig-Holstein: Das größere Vaterland

Um etwa 13 Quadratkilometer wuchs der westdeutsche "Lebensraum" in den vergangenen Wochen, nachdem die letzte Lücke des ersten nach dem Kriege gebauten Landgewinnungsdeiches an der Südseite des Hindenburgdammes nach Sylt geschlossen und durch Sandspülung gesichert wurde.

Badenr Württemberg: Hundert Jahre "Spionagebahnhof"

Als ein Justizwachtmeister an einem Maimorgen dieses Jahres in Freiburg im Breisgau mit einem Untersuchungsgefangenen den Eilzug nach Waldshut bestieg, ahnte er nicht, daß er eine Stunde später das Opfer von Staatsverträgen und Hoheitsrechten werden würde.

Vorpommern: Immer nur lächeln...

Damals, nach dem Weiterflug des chinesischen Ministerpräsidenten nach Warschau und Moskau, besuchte die Delegation aus dem Reich der Mitte zuerst das Seebad Zinnowitz, wo die Gäste im "Otto-Schmirgal-Heim" für die schaffende Intelligenz einquartiert wurden.

Bremen: Milchmann und Polizei

Im März dieses Jahres war der Milchmann Friedrich Kanning in Bremen schon morgens um 6 Uhr 40 von der gestrengen Polizei dabei ertappt worden, wie er seinen Kunden die vollen Flaschen vor die Tür stellte, obwohl doch erst ab 7 Uhr Verkaufszeit ist.

Brandenburg: Einsteins heiße Liebe

Einen unangenehmen Beigeschmack verursachte die Interpretation von SED-Funktionären aus Templin, zum Beschluß der Sowjetzonenregierung, das ehemalige Haus des Wissenschaftlers Albert Einstein am Rande des Templiner Forstes unter Denkmalsschutz zu stellen.

Berlin: Molotow gibt Küßchen

Die Gemütserregung, die der Besuch Molotows in der Sowjetzone entfesselt hat, klingt im östlichen Blätterwald immer noch nach.

Zaubereien mit Geld

Bei uns in Deutschland ist die Inflation kein Gegenstand einer ernsthaften Diskussion mehr. Aber unter der Decke planwirtschaftlicher Vollbeschäftigungstheorien, wie sie heute von sozialistischen Seite als Stein des Weisen propagiert werden, haben die Tricks mit der Notenpresse immer noch viele Anhänger –, zumal wir wieder einmal am Vorabend einer Aufrüstung stehen.

Wenig sinnvoll

Es mag sein, daß der Bundesfinanzminister für das Rechnungsjahr 1955/56 keinen ausgeglichenen Haushaltsplan vorlegen kann. Das sollte ihm aber nicht Veranlassung dazu geben, bereits jetzt eine zweite große Bundesanleihe im Betrage von 1,5 Mrd.

Minister Arnolds Bärendienst

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Karl Arnold hat der Gewerkschaftsbewegung einen Bärendienst erwiesen. In der Bundesratssitzung, die sich vor kurzem mit dem Gesetzentwurf für die Mitbestimmung in den Holdings zu beschäftigen hatte, verursachte seine "Initiative" eine vollständige Umkehrung der Vorage des Bundeskabinetts.

Bremse...

Als "wirkungsvolle" Bremse betätigte sich dieser Tage ein Einzelhandelsverband des westdeutschen Industriegebietes. Mit viel Elan – der, an anderer Stelle.

Marke und Monopol

Die Handelsmarke ist individuell. Sie vermittelt keine andere Marktposition als die, die sich ein Unternehmen im Wettbewerb mit all seinen Konkurrenten geschaffen hat.

Wollgewebe aus Prato

Im Gegensatz zum allgemeinen wirtschaftlichen Trend in der Bundesrepublik, aber auch zur Entwicklung der Baumwoll-, Seiden- und Samtweberei, sank in den ersten neun Monaten 1954 die Produktion der deutschen Tuch- und Kleiderstoffindustrie um 5,3 v.

Eine bittere Lehre

Kaum war die Trauerbotschaft vom Tode des Bundestagspräsidenten verklungen, da erreichte uns eine neue Nachricht: Gustav Dahrendorf‚ oberster Lenker der größten deutschen Verbraucherorganisation, ist gestorben, und am vergangenen Sonntagmorgen verschied völlig unerwartet an einem Herzschlag Töpfermeister Richard Uhlemeyer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.

Das Rätsel von Ptolemais

Unser Berichterstatter, der vor kurzem die bemerkenswerte Messe von Saloniki besuchte, hatte in Griechenland Gelegenheit, sich eingehend über die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die deutsch-griechischen Handelsbeziehungen zu unterrichten.

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