Zwischen dem Rektor der Sporthochschule Köln, Professor Dr. med. h.c. Carl Diem, und den deutschen Sportfunktionären ist es zu einem Streit gekommen. Es geht um die grundsätzliche Klärung der Frage, ob Sport Jugendpflege ist, und merkwürdigerweise wurde sie von dem Manne, der ein Menschenalter lang nur für den Sport und die Jugend gelebt hat, verneint! Der Pressereferent des Deutschen Fußball-Bundes, Carl Koppehehl (dessen Lebensarbeit auch dem Sport und der Jugend galt), hat sich darauf als erster zu Worte gemeldet und Protest eingelegt. Er meint, Diem habe "mit seiner Auslegung des Begriffes Jugendpflege den für die Durchsetzung der sportlichen Idee unermüdlich tätigen Kräften ein schweres Hindernis in den Weg gelegt".

Wir stimmen mit Koppehehl vollkommen darin überein, daß die Frage, ob Sport Jugendpflege ist, den ganzen Sport angeht, und es ist darum gut, daß dieses Streitgespräch um die Ausführungen Diems in der Zeitschrift "Die Leibeserziehung", einer Monatsschrift für Lehrer und Ärzte, für Jugend und Jugendleiter, aufgekommen ist, damit endlich einmal ernstlich erörtert wird, ob die Tätigkeit unserer Sportvereine Jugendpflege einschließt, was natürlich ohne weiteres überall dort der Fall ist, wo sich das Arbeitsfeld der Jugend aufs Geistige und Musische mit erstreckt.

Die Fußballer sind natürlich nicht gerade begeistert, wenn sie von Diem hören müssen, daß "sich der Fußballsport vermeintlicher finanzieller Vorteile wegen vergiftet habe ... und daß des äußeren Erfolges wegen bei ihm nur der Sieg um jeden Preis gilt"; Sie führen selbstverständlich durchaus zu Recht an, "daß in den fünfzig Jahren des Bestehens des DFB alljährlich Hunderttausende von Jugendlichen durch das Sieb der Fußballvereine gegangen sind und ungezählte Zehntausende als Betreuer dieser Jugend mit Idealismus und Begeisterung ihre erzieherische Aufgabe erfüllt haben". Dennoch besagt das noch nichts gegen die These, daß Sport nicht bedeutet, daß man körperliche Übungen um seiner eigenen Vervollkommnung willen treibt, und sich dann für dieses Tun aus Zuschauer- und Totomitteln entschädigen läßt. "Sport und Erwerb", so sagt Diem, "sind Gegensätze. Solange geldliche Vorteile durch Spiele erstrebt werden, wird dem Jugendlichen der Maßstab für die Würde der Arbeit verfälscht." Es muß festgehalten werden, daß Sport tatsächlich nur Jugendpflege ist, wenn in ihm ein allgemein menschliches Erziehungsziel vorwaltet und man Sport treibt, um sich als Mensch zu entwickeln.

Heute, da der Sport nicht mehr eine Auflehnung gegen das behagliche, verweichlichte Leben bedeutet, sondern sich im öffentlichen Leben durchgesetzt hat und im Verdacht steht, zu einem passiven Massenvergnügen zu werden, ist ein Vereinsleben um so wichtiger, so sagt Diem, "in dem der Sport nicht alleiniger Gesprächsstoff ist, in dem nicht sportliche Erfolge für das Kriterium da – Sportpflege genommen werden, in dem vielmehi Jugendleiter wirken, die nicht nur vom Sport reden". Wo aber ist das im deutschen Sportleben der Fall?

W. F. Kleffel