Eine Delegation japanischer Parlamentarier war jetzt in China, kaum sechs Wochen nach der Abordnung der Labour-Party, und hat wie diese ihre Eindrücke publiziert. Während Attlee, wenn man dem Sender Peking glauben darf, den Trinkspruch ausbrachte, England habe schon immer Chinas Kampf gegen den japanischen Imperialismus mit Sympathie verfolgt, wurden seitens der Japaner antibritische Aussprüche nicht bekannt. In einem aber waren die Ergebnisse ungemein ähnlich: China hungere nach englischen Handelsgütern, erklärte ein Mitglied der britischen Gruppe, und die Japaner stellten fest, ihre Industrie könnte Waren weit besserer Qualität liefern als Sowjetrußland und seine Satelliten; die tschechischen Omnibusse zum Beispiel, die in China in Betrieb sind, seien ausgesprochen schlecht.

Mao Tse Tungs Regierung sei sicher im Sattel, meinten Japaner wie Briten. Die Hauptstraßen der Städte fanden sie sauber, Denkmäler und Kunstschätze gepflegt, aber schon in den Nebenstraßen sei alles beim alten. Noch immer ist die Bevölkerung ärmlich gekleidet, wie in Japan während des Krieges. Aber Arbeiter und Bauern seien sich der Beschränkung ihrer Freiheit kaum bewußt. Mao Tse Tung habe das Volk sicher in der Hand und Tschiang Kai Scheks Glaube, eine Invasion des Festlandes könne gelingen, sei ebenso ein Wunschtraum wie Pekings Hoffnung auf einen Aufstand des Volkes in Formosa.

Daß man sich in China um die japanischen Parlamentarier sehr bemühte, ist begreiflich. Die Chinesen sammeln Freunde, und die Japaner sind entgegenkommend. Auch eine japanische Kulturdelegation hat soeben China besucht. Die japanischen Industrie-, Fischerei- und Handelsverbände senden ihre Vertreter, und die Präsidentin des chinesischen Roten Kreuzes, Frau Li Teh-chuan, wurde ihrerseits nach Tokio eingeladen.

Natürlich wissen Japans Wirtschaftsleute sehr wohl, welche politischen Motive hinter der Freundlichkeit stehen, aber sie nehmen ihren Vorteil wahr, und dies um so lieber, als sie über die kürzlichen Zollerhöhungen in den Vereinigten Staaten für Nähmaschinen und Seidentücher verstimmt sind. Gleichwohl bleibt ihre Beurteilung Rotchinas realistisch. Während Attlee aussagte, er habe nirgendwo beobachten können, daß Russen das Heft in der Hand hätten, waren die japanischen Besucher einig, daß Chinas Beziehungen zur Sowjetunion innig seien. Der britische Zweckoptimismus gegenüber den 400 Millionen Chinesen beginnt den Japanern auf die Nerven zu gehen, gleich ob er in der Lockung des Marktes oder, wie Ministerpräsident Joshida am Vorabend seiner Reise nach Amerika erklärte, in der Furcht seinen Grund hat. Ob allerdings Maos Abhängigkeit von Moskau immer so bleiben müsse, dessen waren die Abgeordneten nicht sicher. Z