Im Zusammenhang mit der Vorlage des Jahresergebnisses zum 30. September 1953 sind mehrere bedeutsame Ereignisse für die Firmenentwicklung des Nachfolgeunternehmens des alten KIöckner-Konzerns, des Hüttenbergwerksvereins, bekannt geworden. Da das Unternehmen seiner oHV am 3, Dezember u. a. euch die Änderung des Firmennamens in Klöckner-Werke AG, Duisburg, vorschlägt – und damit den alliierten Zwangsnamen wieder abstreift –, soll es schon jetzt kurz Klöckner-Werke genannt werden.

Zunächst sei erwähnt, daß sich Klöckner, sozusagen in aller Stille, seinen alten Kohlenbesitz, der durch die alliierten Entflechtungsdiktate verselbständigt und damit herausgeschnitten werden mußte, wieder zurückgekauft hat. Dazu heißt es im Geschäftsbericht: Die Aktienmehrheit der Bergwerke Königsborn-Werne AG, Unna-Königsborn, wurde erworben. Zu Ende des Berichtsjahres befanden sich 52,69 v. H. (zur Zeit sind es 56,72 v. H.) von 45 Mill. DM AK im Portefeuille von Klöckner. Die Zechen von Königsborn gehörten seit 1920 zum Bereich der alten Klöckner-Werke. Die Hohe Behörde wurde von dem Erwerb unterrichtet. Der Genehmigungszwang durch die Hohe Behörde lag noch nicht vor, da diese Bestimmungen erst kurz nach Abschluß des Mehrheitserwerbs, nämlich am 1. Juni 1954, in Kraft traten.

Außerdem war zu hören, daß dem Erwerb der aus dem Krupp-Besitz gekauften Norddeutschen Hütte in Bremen nun auch sehr schnell der Aufbau eines Stahlwerkes folgt Die Hütte ändert ihren Namen in Klöckner-Hütte Bremen AG und erhält zunächst zwei Siemens-Martin-Öfen mit 20 000 t Monats-Kapazität, wovon einer schon vor einiger Zeit für die Georgsmarienhütte bestellt war, ferner die vor zwei Jahren beim deutschen Maschinenbau bestellte und ursprünglich für das Werk Haspe vorgesehene Grobblechstraße In Bremen Verde sehr bald mit den Investitionen begonnen werden, äußerte Dr. Gerhard Schroeder vom Klöckner-Vorstand. Der Aufbau der Klöckner-Gruppe wird zu einer Spezialisierung in den einzelnen Werken führen, was zugleich eine Verfeinerung in den Qualitäten und eine Kostensenkung für den Gesamtbetrieb erbringen wird.

Obwohl die Gewinn- und Verlustrechnung per 30. September 1953 ohne Saldo abschließt, gehen die Aktionäre doch nicht leer aus. Und zwar wird wieder aus der Liquidationsmasse des Altkonzerns eine steuerfreie Quote in Höhe von 5 v. H. auf die Hüttenbergwerksverein-Aktie und von 4,25 v. H. auf die Königsborn-Aktie ausgeschüttet. Für 1953/54 – das Geschäftsjahr wird auf den 30. Juni verlegt – dürfte die Dividendenzahlungaungenommen werden. Der Umsatz der KIöckner-Gruppe wird per 30. Juni 1954 mit 1036 Mill. DM und per 30. September 1953 (jeweils für 12 Monate) mit 1136 Mill. DM (ohne Handelsumsätze) angegeben. Die derzeitige Beschäftigung erreicht wieder Höchstzahlen; die Auftragseingänge sind hoch, und die weitere Zukunft wird vom Klöckner-Vorstand sehr positiv beurteilt.

Das Jahresergebnis zeigt einen Rohertrag von 314 Mill. DM. Dem stehen Löhne und Gehälter von 149. Sozialaufwendungen von 53, Abschreibungen von 82 und Steuern von 44,8 Mill. DM gegenüber. Ao. Erträge erbrachten 18,7 Mill. DM. Sie gingen praktisch in den die Normalabschreibungen (52 Mill.) übersteigenden Betrag. Bemerkenswert ist, daß die Sozialaufwendungen erheblich über einem Drittel des gesamten Lohn- und Gehaltskontos liegt. In der Bilanz werden die Anlagen nach 49 Mill. Zugängen und 75 Mill. Abschreibungen mit 331 (358) Mill. DM aktiviert. Hinzu kommen im Bau befindliche oder geplante Anlagen mit zusammen 26 Mill., ferner bereitgestellte Mittel für das Anlagevermögen mit 31,7 Mill. und Beteiligungen mit 45,4 (20,1) Mill. DM. Vorräte machen 112 aus, Forderungen und flüssige Mittel 98, andererseits bei 210 Mill. DM AK Rücklagen 168 Mill., Rückstellungen – davon rund 50 v. H. für Pensionen – 115, Anleihen und langfristige Kredite 70 und Verbindlichkeiten 80 Mill. DM.

Seit der Währungsreform wurden etwa 230 Mill. DM investiert bei einer Abschreibungssumme von 288 Mill. DM. In dieser Größenordnung liegen auch die Investitionspläne für die nächsten vier bis fünf Jahre, wovon ein erheblicher Teil auf Bremen entfallen wird. Man wird sich im Rahmen der jetzigen Abschreibungen planvoll weiter modernisieren

Der HV am 3. Dezember wird u. a. auch die Änderung der Satzungen in der Hinsicht vorgeschlagen, daß die durch die alliierten Vorschriften erzwungenen ungewöhnlichen Einengungen wieder aufgehoben werden. An Stelle der Namensaktien werden wieder Inhaberaktien eingeführt werden. De Liquidationsrate wird auf den bereits ausgegebenen Dividendenbezugsschein für 1952/53 gezahlt. -lt.