s. l., Berlin

Die Gemütserregung, die der Besuch Molotows in der Sowjetzone entfesselt hat, klingt im östlichen Blätterwald immer noch nach. Aus Kindergärten und Parteibüros kommen Augenzeugenberichte. So schreibt die zwölfjährige Marianne Bundesmann aus Stalinstadt, dem Eisenhüttenkombinat Ost bei Fürstenberg an der Oder:

"Wir warteten im Kinderwochenheim und im Kindergarten auf den hohen Gast. Endlich war es soweit. Als junges, zwölfjähriges Mädchen stand ich erstmalig dem großen Staatsmann gegenüber, der sich ständig für unser glückliches, friedliches Leben einsetzt. Mit den Worten "Freundschaft und einen schönen Gruß von uns Kindern" übergab ich ihm eine Puppe. Außenminister Molotow bedankte sich und versprach uns, diese Puppe seiner Nichte zu schenken, die ein guter Pionier ist. Freudig löste ich dann mein Halstuch und band es dem hohen Gast um. Daraufhin gab mir Genosse Molotow einen Kuß. Ich war ergriffen. Wenn ein Staatsmann einem Arbeiterkind einen Kuß gibt, dann kann das nur ein Mensch sein, der die Arbeiter und Bauern und der uns Kinder liebt."

Aus dem sächsischen Uranbergbau berichtet der Kumpel, Held der Arbeit und Nationalpreisträger Sepp Wenig, der Molotow erst an die Mittagstafel und später in den Schacht begleitete, von der Begrüßung: "Genosse Molotow sagte zu uns: ‚Ich freue mich, zwei der besten Stachanow-Arbeiter zu sehen!‘ und kräftig war sein Händedruck. Ich hatte zuerst nur einen Gedanken: ‚Ist es Wirklichkeit oder was ist los?‘ Genosse Molotow schenkte ein, stand auf und kam zu mir, um mit mir auf das Wohl der Wismut-Kumpel und der Arbeiterschaft anzustoßen. Wie es mir da zumute war, kann ich nicht ausdrücken. Erst als Genosse Grotewohl zu mir sagte: ‚Prost Sepp!‘, war ich wieder da. Ich sagte mir, für diese Freundschaft gibt man alles."