Nur zum Teil erfüllte die Ständige Konferenz der westdeutschen Kultusminister die Wünsche des Bundesvertriebenenministers Professor Oberländer. Er hatte auf der Konferenz vorgeschlagen: Einführung der Ostkunde als besonderes Schulfach, stärkere Berücksichtigung der slawischen Sprachen und Einrichtung von Kursen über den dialektischen Materialismus, damit die westdeutsche Jugend Diskussionen mit ihren mitteldeutschen Altersgenossen bestehen könne.

Der Unterschied im Lebensstandard der Bundesrepublik und der Sowjetzone werde immer geringer, die Zahl der Rückwanderer von West nach Ost wachse, behauptete Oberländer. Gerade unter den Jugendlichen sei die Unsicherheit groß. Wenn man nicht in jedem Lande wenigstens einen Jugendkurs für Einheimische und Sowjetzonenflüchtlinge einrichte, in dem die freie Diskussion zur Widerlegung des dialektischen Materialismus gepflegt werde, dann könne man künftig "kaum Jugendliche von drüben einladen, ohne daß sie hier gegen uns missionieren..." Auch an den Hochschulen geschehe zu wenig: "Der Osten lernt mehr Westsprachen, als wir Ostsprachen Wir begeben uns selbstverschuldet in die schwächere Position. Es gibt heute unter den westdeutschen Professoren kaum einen, der mit seinen sowjetzonalen Kollegen siegreich eine Diskussion über den dialektischen Materialismus bestehen wird. Wir müssen uns rüsten für die geistige Auseinandersetzung mit einem System, das für die Wissenschaft alles opfert, nicht nur für die Technik, sondern auch für die Geisteswissenschaft, und in dem der wissenschaftliche Arbeiter besser bezahlt wird als in fast allen Ländern der Erde."

Die Kultusministerkonferenz sprach sich, wie ihr diesjähriger Vorsitzender, Kultursenator Dehnkamp (Bremen) auf einer Pressekonferenz erklärte, gegen die Ostkunde als besonderes Schulfach aus. Die ostdeutsche Geschichte, Literatur und Heimatkunde sollte jedoch in allen dafür geeigneten Unterrichtsfächern stärker gefördert werden. Dd