Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland. entnommen

Zweifellos wird die künftige Weltmarktentwicklung weitgehend von der Binnenkonjunktur der USA, die gleichzeitig größter Anbieter und Nachfrager sind, abhängen. In den USA scheint im Augenblick eine Diskrepanz zwischen der Beurteilung der kurzfristigen und der langfristigen Entwicklung zu bestehen. Während kurzfristig die Tendenz günstig bezeichnet wird, zumal im September zunehmende Auftragseingänge und der Abbau von Lagerbeständen beobachtet wurden, ist langfristig dagegen nach Angaben der US-Großbanken, deren Aussagen u. a. als Grundlage der Konjunkturprognosen dienen, ein erheblicher Rückgang der finanziellen Dispositionen für Anschaffungen an den internationalen Rohstoffmärkten feststellbar. Ob diese Zurückhaltung zu einer weiteren Umsatzschrumpfung führen wird, ist zur Zeit noch völlig offen. Es sollte aber nicht übersehen werden, daß innenpolitische Gründe die Republikaner zwingen, konjunkturbelebende Maßnahmen zu ergreifen, zumal es gilt, nach dem Ausgang der letzten Wahlen die in zwei Jahren stattfindende Präsidentenwahl vorzubereiten. Wie verlautet, sollen die Republikaner gewillt sein, verstärkt eine aktive Konjunkturpolitik zu betreiben.

Einen Überblick über die Preisentwicklung in der letzten Woche vom 1. bis 5. November vermittelt nachstehende Tabelle:

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei 10 die Tendenz leicht bis stark steigend und bei 8 leicht bzw. schwächer. Die Preise von 5 der notierten Waren, nämlich Aluminium, Blei, Zink, Zucker und Schmalz waren konstant (US-Noierungen: Viertagesdurchschnitt. Übrige: Fünftagesdurchschnitt.

Getreide: Die Geschäftstätigkeit hielt sich während der Berichtswoche infolge der Wahlen in den USA in verhältnismäßig engen Grenzen, auch wurde nichts über größere Exportgeschäfte bekannt. Enttäuschend wirkten die Meldungen, daß US-Roggen bei den westdeutschen Käufern unberücksichtigt blieb. In der letzten Zeit macht sich in den USA verstärkt die Tendenz bemerkbar, überschüssige Agrarerzeugnisse in Ausland abzusetzen, da diese eine derartige Höhe erreicht haben, daß bereits ihre Existenz, ohne auf dem Markt als Angetot zu erscheinen, preisdrückend wirkt. Seitdem der Kongreß das Gesetz zur Verwertung landwirtschaftlicher Überschußerzeugnisse im Juli 1954 angenommen hat, mit dem die Ermächtgung zum Verkauf dieser Überschüsse gegen ausländische Währungen im Werte von 700 Mill. $ erteilt wurde, sind vor kurzen die ersten festen Abschlüsse vorbereitet worden. Bei den ersten, jetzt vorbereiteten Abschlüssen handelt es sich um Lieferungen von Weizen und Baumwolle an Pakistan und Jugoslawien im Werte von 60 Mill. $. Bisher ist dieser Plan zumeist am den Widerstand der Empfängerländer gestoßen. Diese verstehen vielmehr, die USA-Regierung zu bewegen, den Erlös aus diesen Lieferungen im Empfängerland für Investitionszwecke zu verwenden. Sollten die Empfängerländer mit ihrem Wunsch durchdringen, so würde dies einer Ausweitung der US-Auslandshilfe gleichkommen. So hat z. B. Japan die Absicht, unter diesen Voraussetzungen Agrarerzeugnisse abzunehmen. Ferner bewilligte Präsident Eisenhower Lieferungen von überschüssigen Nahrungsmitteln im Wert von rd. 8,9 Mill. $ an die von Überschwemmungskatastrophen betroffenen Gebiete Ost- und Mitteleuropas. Als eine weitere Maßnahme zum Abbau von Überschuß Vorräten ist die Erklärung des US-Landwirtschaftministers zu wetten, nach der im Rahmen von Kompensationsgeschäften Agrarüberschußerzeugnisse im Werte von 105 Mil. $ im Austausch gegen ausländisches strategisches Material abgesetzt werden können.

Kupfer: Ende der Vorwoche wurden in den USA weitere 25 000 sht Raffinade-Kupfer freigegeben, die jedoch bis Eide 1955 wieder der strategischen Reserve angedient werden müssen. Damit sind insgesamt 51 500 sht aus Regierungsbeständen für die Verbraucher abgezweigt worden, um den durch die Streiks in den USA und Chile hervorgerufenen Produktionsausfall auszugleichen. – Auf dem Londoner Markt lag Kupfer um rd. 5 £ niedriger. In dieser Preisentwicklung dürfte die erwähnte Freigabe von 25 000 sht Raffinade-Kupfer in den USA zum Ausdruck kommen. Außerdem hatte die vorübergehende Beendigung des Londoner Dockarbeiterstreiks zu einer Beruhigung beigetragen. Wenn auch vorläufig die Streiks in Nordrhodesien noch nicht weiter um sich gegriffen zu haben scheinen, ist de Streikgefahr auch dort noch nicht überwunden. Die Bestände in den lizenzierten Lagerhäusern der Londoner NE-Metall-Börse haben sich noch weiter verringert, Es ist anzunehmen, daß de Angebotslage weiterhin angespannt bleiben wird, bis die Produktionssteigerungen in Chile einen Einfluß auf den Markt nehmen werden.

Wolle: Die Wollmärkte waren während der Berichtswoche erneut durch eine Schwächeneigung gekennzeichnet. Vor allem die Preise auf den Wollauktionen wiesen eine rückläufige Bewegung auf. Auf ermäßigter Preisbasis erreichten am 4. November die Abschlüsse mit 255 Losen einen Rekordstand; erst zum Wochenschluß wirkte der Dockarbeiterstreik in Australien auf dem Londoner Markt haussegünstig, denn infolge dieses Streiks sollen die für die kommende Woche vorgesehenen australischen Versteigerungen ausfallen. Auf Grund der Streiks in Australien und in London ist anzunehmen, daß die Wollversorgung Großbritanniens vorübergehend in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Schwächeneigung auf den Auktionsmärkten dürfte vor allem durch die vorsichtigen Dispositionen der ausländischen Interessenten hervorgerufen worden sein. – Nach Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums liegt das Weltwollaufkommen mit 4420 Mill. lbs Basis Schweiß um 50 Mill. lbs höher als in der vorhergehenden Saison. In allen fünf Überschußländern (Australien, Neuseeland, Südafrikanische Union, Argentinien, Uruguay) wird, mit Ausnahme von Uruguay, mit einer zwischen 1 und 3 v. H. fliegenden Ertragszunahme gerechnet.