Joschida fordert Marshall-Hilfe

Der japanische Ministerpräsident Joschida, der sich seit einigen Tagen zu einem offiziellen Besuch in den Vereinigten Staaten aufhält, regte in einer Ansprache vor dem amerikanischen Presseklub in Washington ein Auslandshilfsprogramm für die freien Völker Asiens nach Art des Marshallplanes an. Dies sei unerläßlich, um dem politischen und wirtschaftlichen Einfluß des kommunistischen Chinas entgegenzuwirken. Wörtlich erklärte der Ministerpräsident: "Wenn Chinas wirtschaftlicher Fortschritt dazu führt, daß es seine Nachbarn in den kommenden Jahren überholt, so wird es einen unwiderstehlichen Sog entwickeln und Südostasien wird den Kommunisten kampflos in die Hände fallen." Er verwies auf den Erfolg des europäischen Wirtschaftsrates (OEEC) im Zusammenhang mit dem Marshallplan für Europa. Dadurch stehe Europa jetzt unverrückbar in den Reihen der freien Welt. Es sei ein lebenswichtiges Interesse der freien Welt und Japans, daß die jungen Nationen Asiens ebenso eingegliedert würden. Die jährliche Hilfe von etwa 400 Millionen Dollar, die diese Nationen zur Zeit vom amerikanischen Amt für Auslandsaufgaben und den Colombo-Plan erhielten, sei anerkennenswert, doch würde das Zehnfache benötigt, wenn sie in ihrer Entwicklung mit dem kommunistischen China Schritt halten sollten.

Österreichs Forderungen an Triest

In einer Rede zum italienisch-jugoslawischen Abkommen über Triest erklärte der Staatssekretär im Wiener Außenministerium, Dr. Bruno Kreisky: "Bei aller Sympathie, die wir Österreicher für Triest empfinden, muß doch gesagt werden, daß Österreichs Wirtschaft ohne Triest auskommen kann, aber es bleibt fraglich, ob Triest ohne Österreich als Hafen existieren kann." Man werde möglicherweise den Außenhandel über deutsche Häfen abwickeln, wenn Italien einigen Anforderungen Österreichs, das 1953 einen Anteil von etwa 68 Prozent am Gesamtumschlag von Triest hatte, nicht gerecht werde. Eine Reihe von Maßnahmen müßten rasch verwirklicht werden: eine kräftige Senkung der Transittarife der italienischen Eisenbahnen, eine Steigerung der Schiffahrtsdichte und die Einrichtung von Eillinien, die Modernisierung der Hafenanlagen, eine Verbesserung des Zollregimes und das Zugeständnis von Sonderermäßigungen für Österreich als dem größten Benutzer des Hafens. "Schließlich wird nur dann ein dauerndes Interesse Österreichs am Hafen von Triest wachgehalten werden. können, wenn im Hafenregime Formen der Mitverwaltung unter selbstverständlicher Berücksichtigung der italienischen Souveränitätsrechte gefunden werden."

Beneluxplan für Skandinavien

Der dem schwedischen Ministerpräsidenten Tage Erlander von der Regierung zur Verfügung gestellte Herrenhof Harpsund war vor kurzem der Ort des größten Ministertreffens Dänemarks, Norwegens und Schwedens, das je stattgefunden hat. Neben den Ministerpräsidenten hatte jede Regierung fünf Minister mit fünf Beratern nach Harpsund entsandt, um Grundlagen für eine skandinavische Zollunion; auszuarbeiten. Entgegen pessimistischen Voraussagen, die sich vor allem auf norwegische Bedenken stützten, hat die Tagung die wirtschaftliche Zusammenarbeit der drei Länder gefördert. Man einigte sich auf eine Liste von Waren, die ohne Schwierigkeit von skandinavischen Zöllen befreit werden können; durch gemeinsame Rationalisierung der verschiedenen Produktionsstätten sollen sie auch auf den Auslandsmärkten konkurrenzfähig gemacht werden. Jedes Land wird ein besonderes Amt zur Förderung der gemeinsamen Wirtschaft einrichten, an dessen Spitze der Handels- oder Wirtschaftsminister steht. Die drei Minister arbeiten mit einem Sachverständigenrat aus drei Vertretern jedes Landes zusammen, der die Wettbewerbs- und Anpassungsbedingungen und die Möglichkeit gemeinsamen Vorgehens prüft. Seine Mitglieder müssen enge Verbindung mit der Wirtschaft und ihren Organisationen halten und mit ihnen zusammen Vorschläge für die Aufhebung von Zöllen ausarbeiten. Die einstimmigen Beschlüsse der Harpsunder Konferenz lassen erkennen, daß die drei nordischen Staaten auf dem Wege sind, sich nach dem Muster der Beneluxländer zu einer Wirtschafts- und Zollunion zusammenzuschließen. K.