Ein Rätsel erklärt nicht das andere.." Es gibt kaum eine Körperschaft, die so reibungslos zusammenarbeitet wie die World Meteorological Organization (WMO). Unter der einheitlich grünen Farbe der "Wetterfrösche" verschwindet ede politische Färbung ihrer Vertreter. Aber die auf der letzten Routinesitzung in Genf diskutierte Frage, ob atomare Explosionen das Wetter beeinflussen können, führte doch zu einer Kontroverse zwischen Russen und Amerikanern. Die Russen sahen zwischen den Unwettern im südlichen Pazifik und den amerikanischen Versuchen mit der H-Bombe einen ursächlichen Zusammenhang und die Amerikaner konterten mit der lapidaren Feststellung, "schlechtes Wetter" hätte es zu allen Zeiten’ gegeben. Aber auch in Europa ist man zu den phantastischen Folgerungen geneigt, daß Flutwellen, wie die vor der holländischen Küste, und verregnete Sommer in Europa auf solche Experimente in der Atmosphäre zurückzuführen seien.

Den Atombombenversuchen in der Nähe der Marshall-Inseln, deren eine Lagune durch die rudimentären Eigenschaften des nach ihr benannten Bikini-Badeanzuges Weltruhm erlangte, haben amerikanische Meteorologen beigewohnt. Nach ihren authentischen Berichten stellt sich der wettermäßige Ablauf des Testes, bei dem eine Bombe über, die zweite unter dem Meeresspiegel explodieren sollte, folgendermaßen dar: Unmittelbar nach der Detonation entstand der bekannte Atomwolken-Pilz. Als Gründe für seine Entstehung werden genannt: erstens die adiabatische Abkühlung als Folge der enorm starken Luftverdünnung im Explosionszentrum und zweitens die mit den heißen Gasen emporgerissenen Luftmassen. Aufsteigende Luft und ihre Abkühlung infolge Ausdehnung unter geringerem Luftdruck ist auch die Ursache der "natürlichen" weißen Cumuluswolken. Das Auftreten der typischen "Blumenkohlformen" wird in dem Bericht erwähnt. Nach fünfzig Minuten wurde der Wolkenpilz von unterschiedlich starken Höhenwinden auseinandergerissen. Die Hauptteile der Wolke wurden verfolgt und die Windströmung nach ihrer Auflösung weiter kontrolliert. Nach 48 beziehungsweise 72 Stunden kehrte die radioaktiv verseuchte Luftmasse in die Nachbarschaft der Lagune zurück. Kurz nach der Explosion fielen rund um die Marshall-Inseln kleinere Regenschauer, deren Radioaktivität jedoch nur von "akademischem Interesse" war. Der Versuch, Regenschauer und Explosion in einen ursächlichen Zusammenhang zu bringen, mußte aufgegeben werden, da sich diese Schauer auch mühelos aus der allgemeinen atmosphärischen Situation erklären ließen. Die einzige, tatsächlich feststellbare Veränderung in der Atmosphäre blieb der Wolkenpilz. Es änderte sich weder die Windrichtung (abgesehen natürlich von der Explosionswelle) noch fand eine Umschichtung innerhalb der Luftmassen über Bikini statt.

Bei der zweiten Explosion bildete sich unter einer isothermen Schicht im Umkreis von etwa sechs Meilen Schichtwolken, aus denen für 15 bis 20 Minuten Regen oder Sprühregen fiel. Ob es sich dabei nur um hochgerissene Wassermassen handelte, war nicht einwandfrei zu klären.

Diese Beobachtungsergebnisse im Pazifik stimmen gut mit theoretischen Überlegungen und Berechnungen überein. Man sagte sich schon vorher, daß die Atmosphäre wahrscheinlich zu träge sein würde, um den plötzlichen, sehr kurzen Energiestoß "nutzbringend zu verarbeiten", er mußte sie "überrennen". Die Möglichkeit einer künstlichen Taifunerzeugung schied vollkommen aus. Es müßten nämlich 800 Wasserstoffbomben der schlimmsten Sorte geworfen werden, wenn man einen solchen Wirbelsturm über 24 Stunden

Es ist absurd, einer Atombombe, die im Pazifik vielleicht einen Regenschauer auf dem Gewissen hat, in Europa monatelangen Regen zuzuschreiben. Noch einleuchtender ist ein Vergleich, den Dr. Heinrich Faust auf der diesjährigen Tagung der ‚Meteororologischen Gesellschaft" erwähnte. Ob eine H-Bombe explodiert oder nicht, sei vom atmosphärisch-energetischen Standpunkt genau so belanglos, als ob die Sonne über einem Quadrat von 100 km Seitenlänge eine Minute mehr oder weniger scheint. Nach vorsichtigen Schätzungen reicht der Energievorrat dieser Sonne noch für 33 Milliarden Jahre.

Man muß zugeben, daß die Ursachen der atmosphärischen Vorgänge, die wir unter dem Begriff "Wetter" zusammenfassen, nicht restlos geklärt sind, ebensowenig wie die möglichen Folgen von A- und H-Bombenexplosionen. Aber die Versuche, ein Rätsel durch das andere zu erklären, ist ein Stück finsterer Alchimie in unserem Jahrhundert.

Der englische Atomforscher und Nobelpreisträger Prof. Frederik Soddy ist der erste Wissenschaftler, der die anderen Theoretiker widerlegen und beweisen will, daß zwar nicht die Explosionskraft der H-Bomben, jedoch die chemischen Auswirkungen der Radioaktivität unser Wetter beeinflussen. Der "Atommüll", die radioaktiven Abfälle der Atomfabriken, verursachen, so behauptet Prof. Soddy, in der Atmosphäre gewaltige Veränderungen. Nun